Lasst doch den Heiligen Martin im Dorf

Lucas van Leyden, 1508

Lucas van Leyden, 1508

 

Am 11.11. eines jeden Jahres gedenken nicht nur die Christen eines Heiligen: Martin von Tours oder St Martin. Bestimmt sind die Mehrzahl meiner Leser_innen als Kinder voller Begeisterung mit ihren (selbstgebastelten) Laternen durch die Strassen gezogen. Wenn sie Glück hatten, hinter einem Pferd mit Reiter her, zu einem großen Martinsfeuer.

Und jedes Kind kannte die Geschichte des heiligen Martin.

Im Gegensatz zu anderen christlichen Feiertagen und Heiligen, ist dieser Tag und Mensch noch nicht gänzlich vom Kommerz eingenommen und zweckentfremdet worden.  Und der Großteil der Kinder bekommt spätestens im (auch in einem konfessionsungebundenen) Kindergarten die Geschichte des römischen Soldaten erzählt, der seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilt.

Lasst den Heiligen Martin im Dorf

Nun benennen einige Kindergärten und Gemeinden das Fest um, in Lichterfest und den Umzug in „Sonne Mond und Sterne Umzug“. Und ich frage mich warum.

Gibt es denn, gerade in der heutigen Zeit eine bessere Figur als den heiligen Martin (und wer sich an dem Wort heilig stört, kann es auch gerne weglassen) um wichtige Werte zu vermitteln?

Glaubt ihr wirklich, dass sich Asylbewerber, Flüchtlinge oder ausländische Mitbewohner daran stören? Warum sollten sie?

Lasst den Menschen ihre Traditionen

Sie kommen aus Ländern mit ganz eigenen Traditionen. Und sicher fehlen ihnen diese sehr. Aber statt unsere Traditionen umzubenennen und ihres guten Kerns zu berauben, wäre es doch viel integrativer, wenn wir unsere Feste beibehalten und für unsere ausländischen Mitbürger_innen Raum schaffen, um ihre Traditionen und Feste hier zu begehen. Und warum gehen wir darin nicht aufeinander zu. Lassen es auf uns wirken und feiern mit. So wird das Leben von uns allen bereichert.

Warum muss man denn alles als Bedrohung sehen. Kein Moslem (bitte hier jede gewünschte Religionszugehörigkeit eintragen) wird auf einmal Christ, weil er bei einem Martinsumzug mitgeht, und auch ich werde sicher nicht konvertieren, nur weil ich die Religionsfreiheit des anderen achte.

Integration heißt doch nicht, dass Menschen die zu uns kommen, mit Haut und Haar alle Traditionen und Gebräuche (sofort) übernehmen müssen. Lassen wir sie doch teilhaben, wo sie möchten und ihre Traditionen ebenfalls pflegen. D.h. doch noch lange nicht, dass dadurch Integration verhindert wird.

Was würde Martin von Tours heute tun?

Frierende, hungernde, verfolgte Menschen stehen an den Grenzen von Deutschland.
Der heilige Martin hätte, so wie die Legende ihn beschreibt, wohl sein Äußerstes getan, um diese Menschen aufzunehmen und seinen Besitz mit ihnen zu teilen.

Vermittelt diese Geschichte, die wir über Jahrhunderte mit Kindern feiern, für ankommende Flüchtlinge und ausländische Mitbürger_innen nicht die Werte, für die unsere westliche Gesellschaft stehen sollte? Nicht auf andere Herabschauen und sie ausgrenzen, sondern helfen?

Der Untergang des Abendlandes?

Und an die „Wir sind das Volk“ Rufer und die „Untergang des Abendlandes“ Heraufbeschwörer, die, die ihre (unsere) Kultur bedroht sehen, durch die zu uns kommenden Menschen. Die Angst haben, unsere Kultur werde verdrängt. Die dafür kämpfen, dass es weiter St Martinsfest heißt:

Beschäftigt euch doch mal wirklich mit dem Mann, dem wir in Umzügen gedenken. Ehrt ihn, nicht dadurch, dass ein Fest so heißt, sondern, dass ihr zur Abwechslung mal in seinem Geiste (statt in fremdenfeindlichem Geist) marschiert. Hinter einem Pferd her, das einen Mann trägt, der mit einem Bettler seinen Mantel teilt. Da steht nirgends, dass St Martin Angst hatte, der Bettler könne ihm nun den Job wegnehmen, seine Religion aufdrängen und seine Frau vergewaltigen. Nein, das Helfen hat ihn irgendwann so durchdrungen, das er es zu seinem Lebenszweck gemacht hat.

Ist das Teilen und Helfen wirklich die Idee, die die Pegida Verblendeten schützen wollen? Wohl eher nicht!

Das Einzige worin ich mit ihnen übereinstimme ist, dass ich den St Martin Zug in der Tat für schützenswert halte, aber aus den oben beschriebenen Gründen. Und ich wünsche mir, dass sich viele Menschen in diesen Tagen von seinem Vorbild anstecken lassen. Und nicht, dass St Martin aus den falschen Motiven vor den Karren gespannt wird.

Und wenn wir uns alle darauf einigen, dass St Martin ein guter Mann war und wir ihm nacheifern wollen, dann klappt’s auch mit den Flüchtlingen.

 

PS: weil ich mehrfach darauf angesprochen, dass die Umbenennung nur Gerüchte wären (und ja es gab auch Gerüchte) es gibt auch wirklich Fälle in denen Feste umbenannt wurden:

Focus: Rotes Kreuz rudert zurück: „Sankt Martin heißt Sankt Martin und nicht Lichterfest“
RP online: Lichterfest? Fast alle wollen St. Martin
RP online: Düsseldorf – Lichterfeste verdrängen St. Martin

PS 2: Auf Facebook bekam ich von Jörg Aumann folgenden wichtigen Hinweis. Das war mir so auch nicht bekannt:

Lichterfeste gab es mancherorts immer schon (in Norddeutschland heißt’s „Laternenlaufen“) vor allem wenn in einem Ort mehrere Konfessionen Kirchengemeinden haben und darüber hinaus auch noch nichtkonfessionelle KiTas da sind.

 

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2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ja, die Umzüge – sofern sie überhaupt in den Gemeinden noch durchgeführt werden – sollten weiterhin Martinsumzüge sein und unter keinem anderen
    Namen stattfinden.
    Tradition sollte Tradition bleiben

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