Der Supermarkt der Zukunft

Foto: Reinhard Karger, DFKI

Ein Montagmorgen in der Zukunft. Einkaufen steht auf dem Programm. Mal schnell an den Kühlschrank und checken was noch so vorhanden ist. Öffnen muss ich ihn dazu nicht, auf dem außen angebrachten Display wird mir der Inhalt angezeigt und wie lange die Artikel sich noch halten. Bei der Pizza, die ich aus Versehen in den Kühlschrank statt in den Gefrierschrank gelegt habe, zeigt mir das Display das verkürzte MHD an. Und dass meine Lebensmittelvorräte zur Neige gehen. Wie praktisch, dass ich auf dem Display den neuesten Globus Angebotszettel aufrufen kann. Per Drag and Drop ziehe ich die Artikel auf dem Bildschirm in meine virtuelle Einkaufsliste.

Was sonst noch so fehlt wird anhand eines mir zugeordneten Musters und der Fehlbestände im Kühlschrank vorgeschlagen und falls ich möchte dem Einkaufszettel hinzugefügt. Und jetzt geht es ab zum Supermarkt. Per Fingerabdruck authentifiziere ich mich und die Einkaufsliste wird auf den Wagen übertragen. Für Nostalgiker kann die Liste natürlich auch aufs iPhone übertragen werden, aber wer nutzt diese Technologie von gestern schon noch. Über im Boden angebrachten RFID Tags werde ich nun zu den entsprechenden Regalen gelotst. Sobald ich die auf der Liste befindlichen Artikel in den Einkaufswagen gelegt habe, wird der Gesamtpreis berechnet und der Artikel von der Liste gestrichen. Das Display am Wagen zeigt mir außerdem noch Details zum Produkt an, wie zB Nährwerte und schlägt mir passende Rezepte und Ergänzungen vor. Mein Einkaufsberater schlägt zu der ausgewählten Pasta einen Rotwein vor und schon steuert der Einkaufswagen das entsprechende Regal an.

Foto: Reinhard Karger, DFKI

Am Weinregal empfängt mich ein digitaler Sommelier. In meinem Fall wird der vorgeschlagene französische Rotwein von einer freundlichen weiblichen Stimme mit charmantem französischem Akzent angepriesen. Ich erfahre etwas über das Anbaugebiet und die richtige Lagerung.

Vom Weinregal geht es zur Obsttheke. Gerade hat eine Mitarbeiterin die Waren umsortiert, aber vom Chaos der früheren Jahre mit falschen Etiketten und Preisen ist heute keine Spur. Wechselt eine Steige den Platz, wird auf dem Display automatisch eine Korrektur vorgenommen. Zum Nachtisch soll es Banana Split geben.

Foto: Reinhard Karger, DFKI

Ob die Banane dafür wohl schon reif genug ist? Außerdem, wie kam sie überhaupt nach Europa, wurden die Bauern für den Anbau fair entlohnt und wurden Spritzmittel eingesetzt? Schwuppdiwupp die Banane in die Kamera gehalten und schon bekomme ich mehr Informationen, als ich eigentlich wollte. Die virtuelle Verkäuferin freut sich, ihr Wissen aus dem digitalen Produktgedächtnis mir mir teilen zu können und jetzt weiß ich auch welchen Carbon Footprint meine Banane erzeugt hat.

Weiter zur intelligenten Produktlupe. Die jüngste bin ich ja nicht mehr und teilweise sind die Inhaltsstoffe auf den Verpackungen so klein geschrieben, dass ich sie gar nicht mehr lesen kann. Ich lege die Verpackung auf eine Art Lupe und bekomme auf einem Display die Vergrößerung angezeigt. Fahre ich nun mit dem Finger über einzelne Begriffe kann ich mir mit Pull Down Menüs alles erklären lassen. Nie wieder Unklarheiten über E-Nummern oder andere Inhaltsstoffe. SemProm, das Semantic Product Memory macht es möglich. So heißt die Technologie die eine Art digitales Produktgedächtnis ist. Die Auskunft beruhigt mich, auch die angeführten Allergene bereiten mir keine Schwierigkeiten, wirklich allergisch bin ich nur auf Autofahrer, die mir die Vorfahrt rauben. Ob die auch einen so tollen Autoschlüssel haben wie ich? Mit dem ich an der Kasse für den Inhalt des Wagens zahlen kann ohne die Waren aus dem Korb zu nehmen? Die eingebaute Visa Karte macht es möglich.

Leider war die Zeit zu knapp, sonst hätte ich mir auch noch etwas zum Anziehen ausgesucht. Seit es die intelligenten Umkleidekabinen gibt, weiß ich genau welches der von mir ausgewählten Kleidungsstücke auch wirklich zu mir passt. Als Frühlingstyp sollte ich eben kein schwarz tragen und das sagt mir die Kabine auch ganz deutlich, wenn ich mal wieder so ein Teil mitbringe. Stattdessen verrät sie mir, wo Kleidungsstücke in Farben hängen die gut mit meinem Typ harmonieren.

Aber jetzt schnell nach Hause und die eingekauften Waren in den Kühlschrank gelegt. Wie gut, dass mein Kühlschrank aufpasst. In dem Knusperjoghurt, den ich gekauft habe, sind doch tatsächlich Spuren von Nüssen enthalten und glücklicherweise weiß mein Kühlschrank, dass Sohnemann dagegen allergisch ist. Mir war es beim Einkaufen doch glatt entgangen.

Ich versuche mich zu erinnern wie es früher im Supermarkt war. Als noch Menschen an den Theken und den Kassen saßen und man nicht anfing mit dem Einkaufswagen zu plaudern, wenn man etwas wissen wollte. Aber wie sagt Erma Bormbeck schon so schön: Nur der Pudding hört mein Seufzen. Und wir können ergänzen: und der digitale Sommelier plaudert mit uns.

Ihr meint ich träume? Nein, all das und noch mehr habe ich live gesehen. Professor Antonio Krüger und zwei seiner Mitarbeiter präsentierten uns das oben Beschriebene bei einer Besichtigung des Innovative Retail Lab des DFKI bei GLOBUS in St Wendel.

Foto: Reinhard Karger, DFKI

Mehr zum Innovative Retail Lab findet ihr auf der Projektseite des DFKI. Herzlichen  Dank an @ReinhardKarger für die Bilder.

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10 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ja, so wird es wohl werden.
    Morgen gehe ich auf den Wochenmarkt; mit Korb auf dem Arm. Kaufe frische Produkte aus der Region und quassel mit den Leuten, denn die wesentlichen Dinge pasieren immer noch ANALOG! 😉

  2. Wie schade, dass man dann trotzdem noch hinter dem Einkaufswagen her latschen muss

    Wäre doch viel schöner, wenn man den ganzen Einkauf von zu Hause aus, z. B. über den Fernseher beobachten könnte…….. wäre nicht so anstrengend und man wäre trotzdem live dabei gewesen :)))

  3. Ich würd lieber gern alles einfach bestellen und dann nur noch abholen müssen. So müsste ich keinen überfüllten Globus betreten. Und ja, noch schicke ich mir die Einkaufsliste auf´s Smartphone 😉

  4. @WolfgangStichler das hört sich nicht nur analog sondern auch sehr gut an 🙂

    @Ursula Currywurst kommt bestimmt noch

    @Bianca war ja auch nur ein Blick in die Zukunft, noch sind ja die wenigsten soweit ihr iPhone zu nutzen. Nutzt du eatSmarter als app?

  5. Niemals!

    Was ist das für ein Land, in dem ein digitaler Sommelier mir einen Wein vorschlägt — und im Globus schon zweimal nicht.

    Da macht es auch nicht der Akzent. Ein Himmelreich für die Tannine.

    Prost Andrea

    P.S: Wir sitzen hier bei einem selbstausgesuchten Moselriesling.

    Liebe Grüße aus Trier – bis hoffentlich demnächst.

    Chacun a son goût (hat schon Robbie Williams auf seine Brust tätowiert).

  6. Das ist ja grauenhaft. Wieso muss man denn die Waren im Supermarkt der Zukunft noch per Hand zusammen sammeln. Also ich würde die Einkaufsliste vom Kühlschrank an den Supermarkt senden und dann meinem vom vollautomatischen Lager zusammengestelltes Paket mitnehmen (oder besser noch, mir liefern lassen).

  7. Glaube nicht das es die Zukunft wird, warum soll ich denn überhaupt noch in den Supermarkt gehen. Ich kaufe auch jetzt schon alles (bis auf Lebensmittel) von zu Hause aus übers Internet.

    Besser wäre eine Lieferung bei Interneteinkäufen im Stundenabstand und nicht nach x Tagen. Also jetzt bei Amazon bestellen, und in 3 Stunden den Artikel erhalten.

    Darin wird sich in Zukunft der eCommerce bewegen

  8. @Nils: genau das ist der Punkt: bis auf Lebensmittel. Auch ich kaufe das meiste übers Netz, aber die Spannen bei Lebensmitteln lassen eine Belieferung nicht zu, verschärft durch den Frischeaspekt. Wer sich hohe Zustellkosten leisten kann wird sich seine Waren wohl liefern lassen können. Schon heute gibt es ja Obst- und Gemüse im Abo

    @Olaf zusammenstellen lassen ist bestimmt eine Option und soweit ich weiß gibt es das auch schon. Man lässt sich Waren zusammenstellen und holt sie an der nächsten Tankkstelle ab.

    @Martin beim letzten Mal an der Bäckereitheke im örtlichen Edeka wäre ich über eine digitale Bäckereifachverkäuferin sehr dankbar gewesen statt dieses Drachen in Verkäuferinnenkostüm die die Kunden als Ruhestörung empfindet. Und ja, richtiges RL Treffen wäre toll 😉

  9. Man kann nur hoffen, dass es bis zu dieser Zukunft, die die sozialen Beziehungen und deren Funktion völlig ausblendet,
    noch einige Zeit dauert. Es wird zunehmend eine arme Gesellschaft, die nur noch Computer gesteuert funktioniert.

    Gruß
    Albrecht Feibel

  10. Pingback: Ein paar Gedanken zum Buchladen der Zukunft | PadLive

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