Nonsens-Wüste oder Informationsschlaraffenland

Ich oute mich. Ja ich gehöre noch ganz Old school mäßig zu den Leuten die jeden Tag Zeitung lesen, leider aus Zeitgründen wochentags nur eine und am Wochenende dann zwei. In der Woche die Saarbrücker Zeitung  (Twitter @szaktuell) am Samstag zusätzlich die FAZ (Twitter u.a. @FAZ_NET) und am Sonntag meine heiß und innig geliebte Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.

Auch beruflich bin ich den Printmedien nicht abgeneigt. Handelsblatt (Twitter u.a.: @Handelsblatt) , Wirtschaftswoche (Twitter u.a. @wiwo)  und Lebensmittelzeitung (bei Twitter @LZNETnews)  sind absolutes Pflichtprogramm.

Man kann mir also nicht vorwerfen ich würde zum Niedergang des klassischen Journalismus beitragen indem ich nur noch kostenlos im Internet zur Verfügung gestellte Informationen konsumiere. Im Gegenteil. Guter Journalismus kostet Geld und gut recherchierte Artikel sind nicht an jeder Internetecke zu haben. Ich bin daher auch gerne bereit für diverse Online Angebote Geld auszugeben und sehe es voll und ganz ein, wenn Medien nicht alle Artikel kostenlos im Netz anbieten.

Neben den klassischen Medien beziehe ich mittlerweile aber einen großen Teil meiner Informationen aus dem Netz. Über Newsletter, RSS Feed und seit Anfang dieses Jahres auch über ein für mich recht neues Medium, über Twitter, den Microbloggingdienst.

Was Twitter alles nicht ist konnte man heute sehr schön in der Saarbrücker Zeitung nachlesen und dieser Text hat mich ob seiner Ignoranz so fassungslos gemacht, dass ich per Blogpost eine Erwiderung darauf schreiben muss.

Ich verstehe daran so manches nicht:

  • Wie kann ich einen Redakteur, der sich selbst als „Community-Skeptiker“ bezeichnet, einen Artikel zu einer der größten und am schnellsten wachsenden Communities weltweit einen Artikel recherchieren lassen? Und wenn schon, ihn dann nicht von der Redaktion im Haus checken lassen, die den eigenen Twitteraccount @szaktuell betreibt und somit etwas mehr Ahnung haben sollte.
  • Ich weiß zwar, dass es für die meisten Menschen sehr typisch ist sich etwas zuzulegen, es in Gebrauch zu nehmen und keine Bedienungsanleitung zu lesen. Aber spätestens wenn es nicht funktioniert, sollte man doch eine solche zur Hand nehmen. Sprich, wenn ich mich wundere, dass mir niemand folgt und dass mir auch niemand antwortet, sollte ich vielleicht mal im Netz nachschlagen, wie das so funktioniert, das Twittern. Man muss es ja nicht gleich übertreiben und sich ein Buch dazu kaufen, es gibt jede Menge Blogposts, welche die ersten Schritte erleichtern.
  • Ist wirklich das Produkt schuld, wenn ich es falsch einsetze? Informationen sind Bringschulden, aber eben auch Holschulden. Wenn ich mir den Twitteraccount von Herrn Manderscheid alias @Amanville anschaue, hat er weder das eine noch das andere wirklich versucht. Sein erster Tweet ist vom 17. Juni, bis heute hat er sage und schreibe 24 Tweets abgesetzt! In 4,5 Monaten! Eine echt reife Leistung. Über den Inhalt der Tweets lasse ich mich jetzt nicht aus, nur so viel, es kommt dem Banalen, was er in seinem Artikel kritisiert, schon sehr nahe, wenn es auch mehr als nichts ist.

Geantwortet hat er in dieser Zeit nicht einem anderen Twitterer, er hat niemanden zitiert, er hat keine Informationen geteilt, er hat also nichts von all dem getan, wofür Twitter von den eingefleischten Usern so sehr geschätzt wird.

Denn Twitter ist immer genauso gut wie man es sich selbst zusammenstellt. Die Menschen, denen man folgt und mit denen man zu kommunizieren beginnt, bestimmen ganz wesentlich den Wert, den Twitter hat. Jeder Einzelne ist selbst dafür zuständig, wie er sich sein Twitteruniversum baut. Folgt er den Dampfplauderern die außer „Guten Abend, gute Nacht“ und „ich putze mir gerade die Zähne“ nichts zu sagen haben (ja klar, die gibt es zuhauf) oder folgt er denen, die das Neueste aus Wissenschaft, Kunst, Kultur , Politik und Web2.0 und ungezählten anderen Themen twittern.

Wenn man wie der Autor genau mal 8 Menschen folgt und von 6 verfolgt wird, dass dabei kein großer Dialog entsteht (der auch ganz offensichtlich nie gesucht wurde), wundert  auch weder den Eingeweihten, noch wird es einen Außenstehenden verblüffen.

Zur Untermauerung seiner Thesen über die Banalität von Twitter wagt sich Herr Manderscheid immerhin DEN Webevangelisten zu zitieren, Thomas Pfeiffer und auf ihn beruft er sich auch, als nach Erscheinen des heutigen Artikels die Wogen in Twitter hochkochen: „Ich kann die Fakten ja nicht biegen“. Nein man muss Fakten nicht biegen, nur in den falschen Kontext stellen und sich durchs Knie ins Auge schießen. Getroffen hat man dann auch.

Was beweise ich denn mit Tausenden von Leuten die Twitter falsch oder gar nicht nutzen? Und was unterscheidet denn ein Informationsmedium wie Twitter von einem Informationsmedium wie Zeitung, was die Nutzer anbelangt? Beide filtern sich genau den Teil heraus, der sie interessiert. Bzw. der Nutzer wählt überhaupt erst mal aus. Bild-Zeitung oder FAZ. Das Niveau, das Twitter hat, bestimmt ganz alleine der User.

@Amanville ist von Twitter unbeeindruckt. Sein gutes Recht, bedauerlich für ihn, aber die Twitteria kann gut ohne ihn leben. Seine Ignoranz und seinen falschen Gebrauch aber in einen halbseitigen Artikel für die Saarbrücker Zeitung zu zwängen und somit auf der Spezialseite „Internet“ sich und die Saarbrücker Zeitung bis auf die Knochen zu blamieren, das steht auf einem anderen Blatt. Ein Beispiel für den vielzitierten Qualitätsjournalismus, der in unseren Tagen wegen des bösen bösen kostenlosten Internets keine Chance mehr hat, ist er sicher nicht. Eher die Säge am Ast auf dem man sitzt.

Ach ja „Wer ernsthaft twittert, trägt Namen wie Arnold Schwarzenegger“. Klar z.B. alle großen Zeitungen von lokal bis überregional, von Wirtschaft bis Branchenmedium befleißigen sich dieser Art von intelligenz- und niveauloser Muskelshow…

Wer die wirklich interessanten Twitterer sind, das rauszufinden wäre bei ein ganz klein wenig Recherche kein Hexenwerk gewesen.

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35 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wie heute schon mal getwittert: Das wäre ungefähr so, als kaufte ich mir ’n Telefon und hätte nur die Nr.’n von 10 uninspirierten Leuten. Dann schriebe ich ein paar Monate später einen Artikel mit dem Fazit: Telefonieren ist doof.

    Ansonsten ist in obigem Artikel alles gesagt. Man muss kein Freund von Twitter sein, doch wenn man objektiv darüber berichten will, darf die interessierte Leserschaft ein bisschen mehr Recherche erwarten. Dabei braucht dann ja auch kein Twitter-Jubelartikel ‚rauszukommen, es darf auch gerne kritisch angemerkt werden, dass der Einstieg gar nicht so einfach ist (was ja durchaus passieren kann). Aber das, was hier abgeliefert wurde, ist mehr als peinlich.

  2. Die Lokal- und Regionalpresse betrachtet Blogger und Microblogger als Riesenbedrohung. Sie hat so viel Angst davor, dass sie versucht dieses Segment der Meinungsbildung und Informationsvermittlung ins Lächerliche zu ziehen. Pathetisch.

  3. 1.richtig
    2.als ich am 10.April (Karfreitag mit Mel Gibsons Jesus-Film laufend) erstmals twitter erkundete, hatte ich keine Ahnung, was es wird
    3. habe jetzt einige Follower, obwohl ich mich nicht prostituierte.
    4. genieße twitter, hab unendlich viel gelernt, habe mich über manche geärgert, aber Ich kann entscheiden, wie ich das händle.
    5. bin bald 62

    und freue mich , wie es weitergeht, sicher nicht linear !

    Am Sonntag stellt eine Dame aus dem Saarland immer die FASZ in einen RL-Bezug, auch das ist twitter !

    LG AS

  4. Bin noch nicht lange bei Twitter – habe aber gleich richtig gute Tweets gefunden, finde unheimlich viel Information aus unterschiedlichen Themenbereichen und interessante Links – und ganz ehrlich: Es macht auch noch Spaß.

    Ich hab mich heut morgen (wieder mal) über die SZ geärgert – und freue mich deshalb sehr über den treffenden Artikel von Apfelmuse.
    Den ich, wie so viele, ohne Twitter wohl kaum gelesen hätte 🙂

  5. Hallo. Merkwürdigerweise bekomme ich nur Kritik aus Reihen der Twitterer. Klar, dass die sich angegriffen fühlen, aber war den der Text tatsächlich dermaßen kritisch? So habe ich das selbst gar nicht empfunden. Wir haben die Studienergebnisse vorliegen gehabt, hatten unzählige Stimmen von Nutzern, die das ebenfalls so empfanden, und ich hatte meine Erfahrungen gemacht. Es geht ja auch nicht um mein Handeln auf Twitter, sondern um die Vorgeschichte. Ihr merkt das auch, wenn Ihr Euch den Text mal aufmerksam durchlest. Ich hatte, glaube ich, an die etwa 80 Bekannte und Freunde angemailt, eine bunte Gruppe, und nur drei machten mit. Alle anderen lehnten es ab mit: Lass mich in Ruhe mit dem Sch… Ich hatte nur belegt, dass die große Mehrheit es nicht interessiert. Ich hatte gleichzeitig nicht ausgeschlossen, dass Twitter sich entwickelt und boomt. Das war der Grundtenor des Textes, etwas mit Augenzwinkern. Außerdem, wenn Ihr die Saarbrücker Zeitung kritisiert – Wir haben ständig auch positive Texte zu Twitter drin, und auch immer wieder Ratgeber, und vor drei Tagen auch die Statistik, die besagt, dass es boomt. Es gibt nun mal die eine und die andere Seite. Und beide stellen wir dar. Und soviel Aufregung der Artikel anscheinden verursacht hat, so viel Zustimmung kam hier auch schon an. Jeder freut sich eben, wenn er seine Ansicht bestätigt sieht, und ärgert sich, wenn nicht.

  6. Das war mir zu lange für einen Kommentar, ich hab das bei mir gebloggt. Und wie das so ankommt, lieber Herr Amanville, das steht da auch. Es ist diese Art von Journalismus die irritiert. Es wurde nämlich nur eine Seite dargestellt, die Seite, die man nicht selbst recherchieren muss, die nicht von den Agenturen geliefert wird, aber lesen Sie selbst:
    http://mikelbower.de/blog/index.php/c76/ach-wie-so-oede-dieses-twitterdings-eine

    *winkt fröhlich in die Runde

  7. @Amanville: Danke, dass Du Dich hier meldest und auf die im Artikel, in den Komentaren und auf Twitter vorgebrachte Kritik eingehst.

    Aber versetze Dich doch mal bitte in die Menschen, die noch am überlegen sind „Ist dieses Twitter etwas für mich?“. Nach Lektüre Deines Textes dürfte jeder, der in diese Richtung noch unsicher ist, jegliches Bemühen aufgeben, sich mit Twitter überhaupt noch zu beschäftigen.

    Es wäre ja auch ein durchaus kritischer Artikel möglich gewesen, der beides zeigt: Twitter ist nicht unbedingt für jeden etwas. Wenn man auf Twitter nicht selbst kommunikativ ist, auf andere eingeht, nach gleichgesinnten Interessen sucht, wird man keine Freude damit haben. Schaut man sich aber um und nutzt die kommunikativen Chancen dieses neuen, spannenden Mediums, kann es eine Bereicherung für den persönlichen und/oder beruflichen Nutzens des Internets darstellen.

  8. wer studienergebnissen trraut, der glaubt auch an statistiken.interessant sind in beiden fällen die *lücken*.
    gerade in den letzten tagen habe ich darüber nachgedacht, wie wichtig twitter für mich geworden ist – und ich stehe dazu.
    als besessene malerin, am ende der welt lebend, bekennende soziopathin, kann ich mich sehr gut an zeiten erinnern ohne internet.
    heute frage ich mich, warum ich damals eigentlich vor einsamkeit nicht völlig wahnsinnig geworden bin.
    twitter ist für mich wichtig geworden, weil ich ganz schnell an interessante informationen komme, die ich sonst übersehen bzw. gar nicht finden (suchen) würde; es ist interessant, weil ich auf meine arbeit sofort feed backs bekomme und last but not least empfinde ich twitter mittlerweile als gigantische wg.
    inzwischen kenne ich lebensgewohnheiten/vorlieben von einigen und lerne menschen *kennen*, denen ich im real life nie begegnen würde.
    that´s it.
    mein leben wäre ohne twitter in meiner einöde nicht annähern so *bunt*
    ich gehöre also zum nicht berücksichtigtem part der statistik bzw. der studienergebnisse.

  9. Na ja, wie auch immer – Ihr habt mit Euren Argumenten natürlich auch recht. Es ist ein gutes Stück natürlich auch eine Ansichtssache, eben was man für sich selbst aus Twitter gewinnt. Ich freue mich jedenfalls, dass es tatsächlich Reaktionen hervorgerufen hat, schließlich ist ja auch ein Zeitungsartikel nicht der Punkt hinter irgendwas. Danke an alle, die mich abonniert haben übrigens.
    Und zu Markus: Ich glaube nicht, dass ich mit dem Artikel einen solch großen Einfluss habe, dass sich andere entschließen, sich nicht anzumelden. Im Gegenteil, Leute wollen ja auch mal checken, ob das auch stimmt, das der da schreibt, und melden sich an. Und – wie gesagt – haben wir oft Texte drin, die Twitter vorstellen und die schönen Seiten hervortun (Zum Beispiel gabs mal „Wie erkenne ich, ob der Promi auch echt ist“ oder: Wie funktionierts, keine Angst, es ist einfach etc.) Und wir haben noch mehr auf Halde.

  10. und an diesem Austausch hier sieht man wieder, was Twitter bewirken kann bzw.wie es funktioniert. Echte Menschen unterhalten sich substanziell über Themen, was früher nur sehr eindimensional über Leserbriefe funktioniert hätte, sofern man sich dazu aufraffen konnte. Und das ohne die Sicherheit, dass dieser Brief auch tatsächlich abgedruckt wird. Somit ist Twitter für mich eine Mixtur aus Plauderei, Wissenspool, Kunstbetrieb, Klatsch und Tratsch und vieles andere mehr. Und für viele {Nutzer}, die nicht oft unter Menschen kommen ein probates Mittel um soziale Kontakte zu pflegen.
    Und ein letzter Kommentar an @amanville: der Artikel war nicht kritisch, sondern extrem oberflächlich und ich glaube, darüber haben sich die meisten aufgeregt. Auch in meinem Umfeld kann die Mehrzahl mit Twitter nichts anfangen, und schaut leicht skeptisch auf diejenigen, die es nutzen. Ich für meinen Teil bin mir aber sicher, dass ich es auch in 30 Jahren noch nutze und dann vergnügt aus dem Altersheim mit Menschen rund um die Welt twittere.

  11. Der Microblogging-Dienst Twitter ist einfach nur ein neuer Kanal. Nicht mehr und nicht weniger. Twitter befindet sich im Versuchsstadium, im Sandkastenbetrieb. Es geht darum, eine neue Technologie auszuprobieren, zu testen, damit zu spielen. Das Potenzial von Twitter liegt z.B. in einem geschlossenen Twitter für die interne Schnellkommunikation in Unternehmen oder etwa innerhalb von Teams in Unternehmen. Das neue Feature der Listen eröffnet weitere Perspektiven bzgl. themen- bzw. gruppenbezogener Kommunikation. Für die externe Kommunikation von Unternehmen und Institutionen stellt Twitter eine Möglichkeit dar, schnell Informationen direkt (ohne Umweg über die herkömmlichen Medien) weiterzugeben; für die Politik ist es ein Medium, um direkt mit Wählern kommunizieren zu können… Wie gesagt, es geht darum, genau diese Potenziale auszutesten.

    Vor einiger Zeit fragten sich Unternehmen, ob sie denn eine Webseite bräuchten… heute ist jeder Bäckerladen im Internet mit einer eigenen Seite vertreten. Ich würde es jedenfalls klasse finden, wenn unser Bäcker schnell mal twittert dass er gerade frischen Zwiebelkuchen gebacken hat 🙂

  12. Wenn ich meine ersten Twitter-Gehversuche vor einigen Monaten damit gestartet hätte, dass ich unter meinen Bekannten nach Twitterern such, dann wäre das auch für mich eine langweilige Angelegenheit geworden. Keiner twittert dort, wenn ich erzähle, dass ich es tue, ernte ich verwunderte Seitenblicke. Na und? Wir sind nicht wirkliche Pioniere, aber noch ist Twitter ziemlich neu, und irgendjemand muss immer mit etwas Neuem anfangen, die breite Masse stößt später dazu.
    Wenn ich schon mit der Grundannahme, dass etwas langweilig ist, an den Versuch gehe, dann muss ich es genauso machen wie der Autor. Wenn ich herausfinden will, was an einem neuen Medium dran ist, dann muss ich mich darauf einlassen, mich informieren, herumprobieren. Und das ist es, was ich @amanville vorwerfe: Er ist nicht offen an die Sache herangegangen, sondern subjektiv, und hat sich nur darum bemüht, seine Grundthese zu beweisen.

  13. ich habe noch was sehr wichtiges vergessen!
    twitter ist auch ein sehr machtvolles instrument der „massen“ -> siehe z.b. tweets über den abmahnwahn von melitta und jack wolfskin.

    beinahe jedes grosse unternehmen hat mittlerweile mitarbeiter, die nix anderes tun, als twitter z.b. nach beschwerden über ihre produkte abzugrasen.
    und tatsächlich melden sie sich auch bei demjenigen, der die beschwerde getwittert hat.
    so gesehen ist twitter ein instrument der demokratie; macht den einzelnen ein wenig unabhängiger, mündiger und mutiger.

  14. Hallo,

    ich würde mich eher als Twitteranfänger bezeichnen. Ich kam durch Neugier zu twitter, als ich mich selbst am Beginn einer noch andauernden persönlichen Umbruchsituation befand (Trennung, burnout).
    Die Leute, die gerade mitteilen, dass sie sich die Zähne putzen sind schon was nervig. Oder diejenigen, die Twitter als Mittel zur Werbung für ihre Firma nutzen im Sinne von Spam. Aber die gehören bei einem neuen Medium halt dazu. Viele dort nutzen Twitter aber um sich unter Freunden ernsthaft zu unterhalten, das geht von Treffen, momentanen Problemen bis hin zu Musik, Bücher und Politik. Das Leben halt. Jeder muss natürlich wissen, was und wieviel man von sich preisgibt. Ich schreibe eher weniger. Nicht weil ich das nicht möchte. Aber ich kann mich halt nicht so gut ausdrücken und das dann noch in 140 Zeichen zu machen ist echt schwer. Dafür bewundere ich die vielen, die genau dies machen. In Form 140 zeichenlanger Kurzgeschichten. Ich freue mich an den regen Tweets zu öffentlichen Themen wie z.B. Wahlen, Themen, die deine Heimatstadt oder Region betreffen an denen ich mich auch mal beteilige. Aus Tweets oder DM habe ich Tips zu Büchern, Musikern etc. erhalten, die mein Leben bereichern. Ab und zu konnte ich auch mal was reinsetzen, das ich gut fand. Momentan ziehe ich aber mehr gute Infos aus Twitter, als ich selbst geben kann. Der Fairnisshalber sollte sich das aber auch noch ändern.
    Ich freue mich jeden Tag auf Twitter, wo ich auf eine bunte Welt verschiedener unbekannter, aber dennoch vertrauter Menschen treffe, die, richtig ausgesucht, einem viele schöne und lustige, aber auch nachdenkliche und traurige Stunden beschehren.

  15. Für die iranische Opposition ist twitter unerlässlich, für chinesische Falun-Gong-Mitglieder usw.
    Aber, um jetzt mal die Diskussion weiterzuführen und nicht mehr bei dem Text zu bleiben: Wenn ich mir mit Abstand speziell Eure Tweets durchlese, erscheinen sie mir als eine Unterhaltung. Klar, ihr kennt Euch zumindest online untereinander und postet Euch was. Wenn ich das nun als Unbeteiligter lese, komme ich nicht mehr mit. Nur für euch und mich jetzt miteinbezogen ist das interessant. Oder wie seht Ihr das? Jetzt im Moment erscheint mir das wie ein Chat. …???

  16. Wenn man mal Twitter mit einer Party voller unbekannter Leute vergleicht, ist doch er Ablauf ähnlich. Anfangs beteiligt man sich einfach ungefragt an der Unterhaltung und vielleicht wird eine spannende Unterhaltung draus.

  17. Nachdem ich die Diskussion gestern angestoßen habe, bin ich nun heute den ganzen Tag nicht dazu gekommen auf Kommentare und Feedback einzugehen, aber es gibt noch ein Leben neben bloggen und twittern.

    Zuerst einmal, ich finde es ganz großartig, dass Herr Manderscheid sich der Diskussion stellt und hier mit kommentiert, dafür Anerkennung und herzlichen Dank.
    Ich finde, alles, was an Fragen aufgeworfen wurde oder noch im Raum stand, wurde durch die vielen verschiedenen Gesichtspunkte und Ansichten der Kommentatoren trefflich beantwortet und diese Art der Kommunikation zeigt doch am allerbesten auf welchen Charme bloggen und twittern hat.

    Zur allerletzten Frage, ja vielleicht hat twittern ganz oft auch was von chatten, wenn man das möchte ist man durch eine @Reply ganz schnell drin und bekommt meistens eine Antwort. Wenn man das eben möchte. Ganz oft werden aber auch Infos getwittert. Wie gesagt, jeder bekommt das Twitter, dass er sich zusammenstellt.

    Einen herzlichen Dank an allen Kommentatoren, für die sehr offene und persönliche Art und dafür, dass (zumindest empfinde ich das so) argumentiert wurde ohne persönlich anzugreifen.

    Jetzt mal Hand aufs Herz Herr Manderscheid, haben Sie durch diese Diskussion nicht Menschen getroffen die es sich vielleicht lohnt bei Twitter zu verfolgen weil sie wirklich was zu sagen haben?

  18. @Amanville:

    Es ist definitiv viel mehr als ein Chat! Vielmehr tauschen sich Personen über gemeinsame Interessen, Hobbys und aktuelle Geschehnisse aus.

    Wenn andere Personen etwas dazu zu sagen haben, entstehen @-replies. Klar wird via Twitter auch diskutiert, aber das ist in meinen Augen nicht der Hauptzweck:

    Erstmal folge ich Personen die mit mir manche Interessensgebiete teilen. D.h. in meinem Fall z.B. Lehrer, Professoren, Studenten, Web 2.0’er die darüber twittern und natürlich auch viele Personen, die ich über den Stammtisch kennengelernt habe.

    Wenn eine Person etwas Interessantes twittert retweete ich es und/oder gebe einen Kommentar dazu ab. Dadurch können natürlich Unterhaltungen entstehen und diese sind (meistens) qualitativ sehr hochwertig, da man schnell auf den Punkt kommen muss, es muss eben in 140 Zeichen passen. Im letzten Jahr dachte ich „Das geht doch niemals“. Aber es geht und es lässt sich vieles sagen über 140 Zeichen.

    Aber Twitter ist für mich vielmehr ein Informationsschlaraffenland, um auf den toll gewählten Titel zurückzukommen.

    Personen verlinken auf externe Seiten (Wikis, Blogs, Videos, Bilder… was auch immer) und speisen diese externe Seiten in ihr Twitternetzwerk ein. So werden viele Nutzer im Netzwerk darauf aufmerksam und folgen dem Link.

    Auf der externen Webseite geht die Diskussion dann in die nächste (tiefgründigere) Runde. Dieser Blogeintrag ist das beste Beispiel dafür:
    Apfelmuse hat den Link getwittert und andere Twitterer sind gefolgt, kommentieren weiter hier im Blog und folgen der Diskussion hier und auf Twitter.

    Ich halte Twitter nicht gemacht dafür um komplexe, tiefgründige Gespräche zu führen. Die werden auf den externen Seiten (Wikis, Blogs etc.) geführt. Auf Twitter werden nur die Informationshäppchen veröffentlicht und der große Rest erfolgt dann über einen anderen Kanal.

    Dies ist zumindest meine Deutung von Twitter und so nutze ich es.

    LG Andreas

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