Bibeltexte mal ganz anders

Matthias Marx und Günther von Bünau bei der Lesung

Einmal im Monat findet im Museum Jean Lurcat ein Vortragsabend statt. Üblicherweise stehen dabei die Werke und das Leben des französischen Künstlers im Vordergrund. Gestern abend machte Matthias Marx, Stifter der  Paul-Ludwig-Stiftung „Jean Lurçat“ eine Ausnahme. Erst ganz zum Schluss wurde die Brücke zu einem Werk von Jean Lurcat geschlagen, denn diesmal stand eine biblische Schrift bzw. deren teilweise sehr irdische Umdichtung im Vordergrund, das Buch Kohelet nämlich.

Das Buch Kohelet, eine der Schriften der Weisheit des Alten Testaments wurde in den diesjährigen Fastenpredigten in vielen seiner Aspekte betrachtet und ausgelegt. Am gestrigen Abend nun ging es sehr viel weltlicher zu. Pastor Matthias Marx, assisitiert von Günther von Bünau, Vizepräsident der Lurcat Stiftung, lasen aus dem Werk: Die kleine Halunkengeschichte von Fritz Graßhoff. Dieser hat in oft sehr respektloser Weise die Texte neu interpretiert und in poetische Form gebracht.

Wie so oft, hatte der Abend viel weniger Besucher, als einer derartigen mit Wissen und Witz gespickten Veranstaltung zukommen würde. Die Anwesenden jedoch waren von den grandios vorgetragenen Texten und dem neuen Einblick in biblischen Stoff absolut begeistert.

Ein Auszug aus den Texten von Graßhoff frei nach Kohelet (Prediger Salomo Kapitel 8):

Doch weiß ich, es werden gemessen
die Graden und Krummen.
Und die mit dem schlechten Gewissen
sind nicht die Dummen

Seh ich dann aber leiden
Gerechte und Lumpen florieren,
möchte ich diese Behauptung
fast annullieren

Alles ist eitel auf Erden
und die Absicht des Himmels verschwommen.
Geh und genieße die Tage!
Was kommt, das laß kommen

.
Leider ist: Die kleine Halunkenpostille von Graßhoff nur noch antiquarisch aufzustöbern, aber wer die gestrige Lesung gehört hat, der weiß: es lohnt sich.

Was das alles mit Jean Lurcat zu tun hat?  Auch dieser hat in 2 seiner Teppiche Zitate aus dem Buch Kohelet eingefügt. Leider wurden diese Teppiche gestohlen und es existieren nur noch sehr schlechte Fotos davon.

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2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Es war tatsächlich ein interessanter und vor allem auch nicht ganz alltäglicher Abend – mit zwei hervorragenden Vorlesern.
    Den Zuhörern wurde Lust auf mehr solcher Veranstaltungen gemacht.

  2. Auch für mich war es am Montag ein interessanter und bereichernder Abend.
    Kohelet – sehr weise, sehr poetisch – wunderbar vorgetragen.

    Schade für alle, die den Abend verpasst haben.

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