Strom sparen: Ja bitte

 

Auf einmal ist es da, das Bewusstsein für das Thema Energie. Nach dem furchtbaren Unglück in Japan ist es, als sei eine Tür im Kopf aufgemacht worden, die wir wohl vorher gut verschlossen gehalten haben. Dahinter: das Bewusstsein für all die Geräte und Annehmlichkeiten unseres täglichen Lebens, die jede Menge Strom verbrauchen.

Diese Tür in meinem Kopf ging heute Morgen auf. Ein ganz normaler Morgen eigentlich, aber bei allem was ich heute Morgen tat, wurde mir bewusst, was alles nicht mehr ohne Strom ginge.

Ins Bad gehen, das schön warm ist und das Licht anschalten. Müsste eigentlich nicht sein, aber die Vorhänge sind ja noch zu. Das Anschalten geschieht unbewusst. Nie zuvor habe ich mich gefragt, wie unsinnig das doch ist. Vorhänge auf und es ist auch hell.

Unter die Dusche. Das Wasser ist wie immer schön warm. Und das bleibt es auch, bis heute Abend um 22 Uhr die Temperatur runtergefahren wird. Unter der Dusche raus und drüber nachdenken, dass auch dieser Raum den ganzen Tag geheizt wird. Danach zur Kaffeemaschine, klar keine normale, sondern ein Vollautomat, bei dem die Bohnen erst noch mit Strom gemahlen werden. Hatte ich mir nicht letztes Jahr zum Geburtstag eine altertümliche Kaffeemühle gewünscht, sie dann aber wieder vom Wunschzettel gestrichen? Also gleich mal den Mac aufgeklappt und ein bisschen zum Thema Kaffeemühlen gesurft. Wie viel die surferei wohl verbraucht? Milch aus dem Kühlschrank, dessen Kühlung natürlich Strom verbraucht und dessen Abwärme sinnlos verpufft. Ab in die Mikrowelle, denn kalte Milch im Kaffee geht ja gar nicht.

Danach die Sonntagszeitung geschnappt und das Sonntagsfoto gemacht. Der Akku der Batterie gibt nach dem 5. Foto den Geist auf, also den Ersatzakku rein gemacht und den anderen gleich nach dem heimkommen aufgeladen.

Dann die Waschmaschine angeschmissen. Unser Handtuchverbrauch hat sich echt gewaschen. Sollte man auch mal überdenken. Wie in den Hotels, nicht nach 1x benutzen auf den Boden werfen. Und nach dem Waschen in den Trockner. Wo ist er geblieben, mein halbherziger Versuch aus dem letzten Sommer immer die Wäsche aufzuhängen?

Mann o Mann das waren jetzt nur 2 Stunden. Diese Liste der Tätigkeiten lässt sich endlos fortsetzen. Das Potential Strom zu sparen dürfte riesig sein, und was der Klimawandel als abstraktes Problem nicht geschafft hat, wird uns seit der drohenden Katastrophe im Kernkraftwerk Fukushima klar: Wir können auch etwas tun. Und wir müssen es. Es sind nicht immer nur die anderen. Dazu lest doch bitte den phantastischen Artikel von @FrauZiefle: „Es sind wir“ der noch viel drastischer als mein Artikel schildert, dass wir alle Verantwortung tragen. Klar gibt es auch heute schon Menschen, die sehr bewusst mit dem Thema Energie umgehen und die sich durch meinen Artikel nicht angesprochen fühlen. Dazu hat @Lachgas in ihrem Blog geschrieben (quasi in Erwiderung zu Frau Ziefle): „Ich nicht“.

Ob ihr jetzt den Stromanbieter wechselt oder den sofortigen Atomausstieg fordert, vergesst darüber doch bitte nicht, dass es unser maßloser Konsum ist, der uns erst dorthin gebracht hat, wo wir heute stehen.

Und für all die, die jetzt meinen, dass der Haushalts-Stromverbrauch doch marginal ist, gegenüber dem, was die Industrie so verbraucht, und dass man darauf ja auch gar keinen Einfluss hat. Nur eine kleine Frage: Für wen produziert denn diese böse Industrie eigentlich?

Ich gehe auf alle Fälle bewusster durch meine Wohnung und durch mein Leben. Und versuche, dass der Schrecken mehr ist als eine Alltagsfliege.

in dem ich zum Beispiel:

  • die Stromaustasten an meinen Steckerleisten jetzt auch nutze.
  • Fernseher und DVD Rekorder, die bei mir doch nur alle Schaltjahr benutzt werden, ausschalte, statt im Standby laufen zu lassen.
  • Die Telefonladestationen nur ans Netz hänge, wenn sie auch wirklich die Telefone laden sollen
  • Licht nicht immer automatisch einschalte, egal ob es nötig ist oder nicht.
  • Die Einstellung der Heizung und des Warmwassers nochmal genau unter die Lupe nehme
  • Die Türen im Haus geschlossen halte und endlich den Spalt an meiner Haustür isoliere.

Das mal für den Anfang. Bestimmt fallen euch auch noch viele gute Sachen ein, bei denen man Strom sparen kann.

Und noch mal der Hinweis: Alleine durch das Ausschalten von Geräten statt sie im Standby laufen zu lassen, könnte man in Deutschland den Strom aus 2 Atomkraftwerken einsparen.

Nachtrag. Auf Twitter wies  mich Petra van Cronenburg auf die großartige Aktion 60+ hin. Am 26.3.  wird jeweils um 20.30 Uhr Ortszeit das Licht für eine ganze Stunde ausgeschaltet. Internationale Infos unter: 60+ und für Deutschland auf: Leg den Schalter um.

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20 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Eine gute Beschreibung des ganz normalen Strom-Wahnsinns… Mir ist z.B. aus meinen Kinderzeiten (als wir doch eher an der Armutsgrenze gelebt haben) ein Spruch ganz prägnant im Gedächtnis geblieben: ‚Wo ich nicht bin, brauch ich kein Licht.‘

    Daher schalte ich auch jetzt immer noch vollautomatisch das Licht aus, wenn ich ein Zimmer verlasse. Wenn dann mal Besuch da ist, was bei mir ja wirklich nur äußerst selten der Fall ist, kann es schon mal passieren, dass der für eine Schrecksekunde im Dunkeln sitzt, bis mir das wieder einfällt 🙂

    Mein Stromanbieter ist seit Jahren EWS Schönau http://www.ews-schoenau.de/ so kann ich zumindest sichergehen, dass durch meine Stromzahlungen nicht direkt Atomstrom unterstützt wird.

    Beim Verbraucherservice gibt es ebenfalls regelmäßig Vorträge, wie sich sinnvoll Energie einsparen lässt. Also wer möchte, findet unzählige Tipps. Und dann noch machen….

  2. Ganz spontan fällt mir dazu ein, dass die „Kleinen“ sowieso am meisten Strom sparen – bei Armen z.B. macht das im Budget spürbar etwas aus. Trotzdem sind es leider die „Großen“, die ihn verpulvern. Früher hat man das Licht in Ortschaften nachts abgeschaltet oder reduziert – heute wollen wir am liebsten die Straßen taghell. Brauchen wir all die elektronischen Werbetafeln und Flackerreklame in Großstädten? Und sind ein paar Kerzen zu Weihnachten nicht idyllischer, als wenn ich die Nachbarschaft mit Hausdeko befeuere, als solle in meiner Straße ein Flugzeug landen?

    Man kann im Haushalt sicher eine Menge Energie und Geld sparen. Aber ohne Umdenken im Großen tut sich da gar nichts, fürchte ich.

  3. @Alexandra: hätte ich den Spruch nur schon gekannt als meine Kinder noch klein waren. Die Regel gilt bei uns natürlich auch ohne Spruch, aber wie oft wird es vergessen. Danke für den Hinweis auf deinen Stromanbieter und daran, dass die Verbraucherzentralen dafür Tipps und Kurse bereit halten

    @Petra ich stimme Ihnen absolut zu und Alexandra Graßler hat das ja auch eindrücklich in ihrem Kommentar beschrieben, ebenso wie Lachgas in ihrem Artikel darauf hinweist, dass sie alleine aus Geldgründen die ganzen stromfressenden Geräte nicht besitzt.
    Die von Ihnen erwähnten Reklamen und Strassenbeleuchtungen sind mir auch oft ein Dorn im Auge, nur bei -dezenten- Weihnachtsbeleuchtungen werde ich schwach. bei uns in der Gemeinde brennt seit langem nachts nur noch jede 2. Strassenlaterne, was ich sehr gut finde. Ist immer noch hell genug.

    Und klar, die großen müssen umdenken. Ich kann nur für unser Unternehmen sprechen. Wir bemühen uns nach Kräften Strom zu sparen und nachhaltig zu wirtschaften.

  4. Hallo Andrea,

    ich möchte Deinen Beitrag als jemand kommentieren, der tatsächlich gerade den Anbieter gewechselt hat. Den Plan dazu hatte ich schon lange, aber es landete immer wieder auf der langen Bank. Der Schock über Japan hat mich weniger dazu veranlasst, urplötzlich und aus Aktionismus den Provider zu wechseln sondern mir vielmehr endlich den lange versäumten Tritt in den Hintern verpasst, es endlich umzusetzen.
    Das ist der eine Teil.

    Zusätzlich zu meinem Providerwechsel muss ich Dir Recht geben. Ein Wechsel des Anbieters reicht nicht, es ist nur ein Anfang. Weiter gehen muss es im Alltag und all die Sparpotentiale, die Du nennst, sehe ich auch.
    Ich will da gar nicht auf Details eingehen, dafür dass ich keinen Trockner habe und wir die Wäsche konsequent aufhängen, habe ich einen wahrscheinlich unnötigen Rechner mehr und für jede Stelle an der ich Strom spare, vergeude ich ihn an anderen Stellen, an denen andere vielleicht sparen.
    Ja, auch ich muss da noch bewusster mit umgehen.
    Aber ich frage mich, wie man die Menschen da draussen bewegen will.
    Ich empfinde es als schwierig, mich ständig darauf zu konzentrieren, immer alles unnötige auszustöpseln. Zumindest in der Zeit, bis es mal in den Habitus übergegangen ist.
    Ehrlich gesagt, der Providerwechsel war einfacher, das waren drei faule Klicks. Und genau hier glaube ich, dass es für die Menschen einfacher ist, ihren Beitrag mit den drei faulen Klicks zu leisten, als mit dem täglichen bewussten Umgang mit Energie. Aber ich kann den Menschen ihre Gewohnheiten nicht verbieten, sie nicht umtrainieren. Und rein realistisch gesehen glaube ich nicht, dass das Gros der Menschen plötzlich auf Annehmlichkeiten verzichtet. Ich sehe es ja an mir selbst. Ich glaube nicht mal, dass das Gros der Menschen den Anbieter wechselt, da es vielen echt egal ist, wo ihr Strom herkommt.
    Aber auch, wenn ich den für mich richtigen Weg in der Kombination aus dem Beziehen alternativer Energien und dem Stromsparen generell sehe, können wir nicht erwarten, dass alle Menschen das tun.
    Ja, wir tun gut, auf diese Dinge zu achten und unseren Teil beizutragen. Und ja, jeder von uns, der seinen Teil beiträgt, bewirkt etwas, mit jedem einzelnen Licht, das er ausschaltet.
    Aber wenn jemand „nur den Anbieter wechselt“, ist das schonmal eine erste Hürde, die ich gut finde. Es mag nicht die alleinige Lösung sein, aber es ist ein Schritt.

  5. @Chris vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Wenn man sicher ist, dass der Wechsel des Anbieters das richtige ist, dann sind die 3 faulen Klicks mit Sicherheit eine gute Sache. Mir ist das ganze viel zu komplex um diese 3 Klicks nachzuvollziehen.

    @mikel genau das habe ich doch in meinem Kommentar geschrieben. Da ich im Betrieb die gleiche Person bin wie zuhause bemühe ich mich um die gleichen Sachen.

  6. Liebe Andrea, vielen Dank für den Artikel, der mich seit ich ihn gelesen habe im Alltag begleitet und immer wieder an vermeidbare Stromverbräuche erinnert.
    So blieb gestern Abend der Fernseher aus, Licht brannte nur in dem Raum, in dem ich mich aufgehalten habe. Heute Morgen habe ich noch keinen Lichtschalter betätigt und die Heizung bleibt aus.
    Eigentlich beschämend, dass man dafür einen Anstoß braucht – aber danke dafür!

  7. Ich hab das vor Jahren mal für mehrere Monate durchgezogen. Konsequentes Ausschalten aller Standby-Geräte, Licht nur in Aufenthaltsräumen, in den Kühlschrank nur soviel, wie auch wirklich gekühlt werden musste, Wäsche aufgehängt statt maschinengetrocknet, Handtücher auch mal mehrfach benutzt usw. Der Stromverbrauch sank auch messbar. Dann kam die Bequemlichkeit zurück.

    • Hallo Jörg, bewundernswert, dass du es für einen wirklich langen Zeitraum mal durchgezogen hast und danke für den Hinweis, dass es wirklich was ändert. Ich hoffe ich werde auch nicht so schnell wieder in alte Muster zurückfallen.

  8. Und jetzt noch was von der 9mal klugen Stundentin, die sich eigentlich gar nicht so sicher ist: Ist es nicht stromsparender den Kühlschrank immer 3/4 voll zu haben? Dann kühlen die Dinger sich gegenseitig?

  9. (Falls der Kommentar unhöflich klang, so war er nicht gemeint. War halb lustig gemeint, und halb so, dass ich mein unendliches Wissen teilen wollte… Du hast natürlich wie immer Recht liebste Mutter)

    • Nö klang nicht unhöflich. Aber ich bin auch der Meinung, dass je gefüllter der Kühlschran um so mehr Energie wird verbraucht

  10. 1) Martha Stewart die SUPER Hausfrau sagt das in meinem Buch.
    2) Tausende doofe kleine Artikel von denen ich keinen zitieren will sagen es auch.
    (google selbst mal, wenn nicht schicke ich dir doch doofe kleine Artikel, die mir alle Recht geben (und nein ich schreibe sie nicht erst selbst)
    3) Ich prokastiniere.
    4) Und zwar ist das so, weil wenn erst mal alles kalt ist, der Kühlschrank weniger Energie aufwenden muss, wieder genug Kälte zu „produzieren“.
    5) Zu voll sollte er allerdings auch nicht sein, denn dann kann die Luft nicht mehr gut genug circulieren (ist das ein Wort im Deutschen?). Dreiviertel Voll ist glaube recht gut.
    6) Meinst du es bringt mir Punkte im Examen wenn ich über Stromsparen mit Kühlschränken rede?
    Deine liebste Lieblingstochter.

    • Hallo Süße, da sieht man mal wieder, dass man/ich nicht immer auf sein Gefühl hören soll, außer auf das Gefühl eine kluge und tolle Tochter zu haben. Danke für den Hinweis, hab nämlich drüber nachgedacht ob ich nicht etliche der kalt liegenden Getränke aus dem Kühlschrank holen soll, zwecks Stromsparen. Aber dann Google ich jetzt auch mal und verbrauche dafür Strom.

  11. Andrea: Das ist keine Frage der Meinung. Je voller der Kühlschrank, desto mehr Energie wird verbraucht. Zum Glück passt mein Sohn in Physik auf. Ich sag nur: spezifische Wärmekapazität 😉

    Sehr erhellend ist auch wie immer Wikipedia. Da steht viel, was ich bisher nicht wusste: http://de.wikipedia.org/wiki/Kühlschrank

  12. Ich bin froh dir sagen zu können, dass deine Tochter , und ihr wirklich mehr als nerdiger Freund auch in Physik aufgepasst haben. Es kostet vielleicht mehr Energie das ganze zu kühlen, aber wenn man einigen Platz einfach mit Getränkeflaschen füllt, die dort bleiben und nicht rausgenommen werden, helfen sie nach dem Öffnen der Kühlschrank Tür die Kälte wieder herzustellen.

    Ich meine ja nicht, dass es nicht mehr Energie kostet immer mehr reinzulegen. Offensichtlich wird dann Energie dafür gebraucht, das Zeug kühl zu kriegen. Ich rede von Dingen die einfach nur Platz einnehmen und kalt _bleiben_. Denn, wenn die Kühlschrank Tür geöffnet wird, geht Luft raus. Luft wird viel viel schneller warm als zum Beispiel eine kalte Flasche Wasser.

    Und wenn ich spezifische Wärmekapazität richtig verstehe, bedeutet das doch nur, wie viel Energie gebraucht wird, um etwas kalt zu kriegen. Nicht aber wie die Lage ist, wenn der Kühlschrankinhalt erst mal kalt ist.

    In der Theorie ist es also _vielleicht_ besser einen leeren Kühlschrank zu haben. Da vergisst man aber, dass man den Kühlschrank oft aufmacht. Also ich zumindest (auch wenn ich natürlich versuche das zu lassen). Und dann spart es Energie, wenn der Inhalt komplett kalt ist, weil 1) weniger kalte Luft in den paar Sekunden Öffnungszeit warm werden kann, sprich weniger wieder kalt gemacht werden muss und 2) Weil die Dinge im Kühlschrank sich gegenseitig kühlen.

  13. (ich verbringe offensichtlich zu viel Zeit damit über Kühlschränke nachzudenken. Vielleicht sollte ich den Studiengang wechseln)

  14. ich bin ein bisschen erschrocken über die Stromsparidee „Handtücher mehrfach verwenden“….. ist das nicht … sowieso so?
    Zum Kühlschrankproblem: es gibt Kühlschrankuhren, die piepsen los, sobald der Kühlschrank so lange offen war, dass er nachkühlen muss.

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