Das 16. Türchen: Rorate

Bild: Claudia Schramm lebe-weise.de

Rorate Messen haben eine ganz besondere Stimmung. Das folgende Video fängt sie sehr gut ein

 

Rorate Caeli Desuper – ODOE 12-12-12 Submission from Fr. Johannes M Schwarz on Vimeo.

Die nachfolgende Predigt hielt unser Dechant Matthias Marx in einer Rorate Messe.

Liebe Mitchristen,

um Licht geht es in diesem Evangelium, um Licht geht es in jeder Rorate-Messe, um Licht geht es bei den beiden großen heiligen Frauen dieses 13. Dezember:

 der heiligen Odilia, die im Elsass verehrt wird, und der heiligen Luzia, die den weiten Weg der Verehrung von Sizilien bis weit hinauf nach Schweden  zu einer Leuchtspur gemacht hat. Es geht um das Licht, um das warme lebendige Leuchten. Wie es im Evangelium eben zu hören war, im Evangelium zum Fest der Odilia:  Wenn dein ganzer Körper von diesem Licht, das durch das Auge hereinkommt, erfüllt ist, dann ist es so, wie wenn die helle Lampe dich ganz und gar erleuchtet, dann steht alles im Licht. Wie schlimm aber, sagt der Evangelist, wenn das Licht, das es eigentlich geben sollte, in dir Finsternis ist. Und das geht Hand in Hand mit dem Tagesgebet dieses Montagabends in der 3. Adventwoche, wo ganz ausdrücklich gebetet wird: darum Herr erleuchte die Finsternis meines Herzens. Das wahre Licht, das wir im Advent als den hellen Schein Christi empfinden, das wahre Licht, das das Leuchten über den Feldern  Bethlehem verbindet mit dem Glanz des Ostermorgens, dieses wahre Licht ist nicht dafür da, dass es äußerlich hell macht, sondern dass es die Finsternis unseres Herzens ergreift, und damit von innen her zu einer Leuchtquelle macht.

Wer von uns hätte da nicht eine ganze Zone im eigenen Inneren, die wir die Finsternis des Herzens nennen können? Das Ungenügen, der ewige Jammer, dass man es nicht so liebevoll kann, wie man es im Leben eigentlich möchte; der Jammer mit dem Tod lieber Menschen, alles was uns schwer auf dem Herzen liegt, alles das sind ganze Zonen von Finsternis. Und alles, was dann so wie eine innerste Verkrampfung ist, alles was so aussieht, als müssten wir scheinbar realistisch feststellen, das sei eine ganz dunkle Seite meines Lebens, genau das ist anvisiert durch das Licht, von dem Bileam in der Lesung spricht: wie ein neuer Stern, der über Jakob aufgeht.

Licht von jenem Licht, das der heiligen Odilia das Sehen mit dem Herzen und mit den äußeren Augen wiedergeschenkt hat; das Licht im Namen der Luzia – denn das heißt nichts anderes als Licht – das aufleuchtet in der Lichterkrone auf dem Haupt der Heiligen, dieses Licht ist immer wieder neu eine Durchleuchtung, eine Erleuchtung, etwas, das wir von innen her erwarten dürfen.

Wir sprechen von Erleuchtung gerne, indem wir unser Hirn, unser Denkvermögen meinen, dass wir da eine Erleuchtung haben, und dann sagen wir: es ist mir ein Licht aufgegangen. Doch das, was hier gemeint, ist führt wesentlich tiefer.

So wie die kleinen Kerzen der Rorate-Messe den weiten, finsteren Kirchenraum mit einem freundlichen, sanften, wärmenden Licht erfüllen, und damit den weiten Bogen spannen bis in die Feier der Osternacht, so dringt mitten im Dunkeln  unseres Herzens ein Licht aus unserem innersten Leben heraus, das wir uns nicht selber einreden können, und das wir nicht veranstalten können, und das wir auch nicht selbst entzünden können, das wir allein von Gott dem Herrn, der Kraft hat über die Regungen unseres Herzens, erwarten dürfen.

Wenn der Advent eine Hoffnung hat, die ganz und gar tiefgründig ist, dann ist es die Hoffnung, dass dieses Gebet erhört wird. In jedem von uns ein wenig anders, aber immer von diesem wahren Licht, das in die Welt hineingekommen ist, und das nicht mehr aus ihr vertrieben werden kann.

Dieses Gebet: Herr, erleuchte die Finsternis meines Herzens. Gott der Herr wird es bei jedem von uns tun. Nicht indem die Finsternis weicht, nicht indem es gar keinen dunklen Fleck in unserer Existenz mehr gäbe. Doch er wird mittendrin ein helles, warmes Licht aufleuchten lassen, das zwar mit dieser Dunkelheit angeblich nicht fertig wird, das ihr aber, so klein es ist, so zart es ist, gewachsen bleibt. Dieses innerste Licht unseres Herzens erbitten wir miteinander und füreinander. Und ganz sicher auch für die Menschen, in denen es durchgehend finster aussieht, die der Hass total verfinstert, die die Not, die scheinbar niemand mehr wenden kann, dazu gebracht hat, innerlich aufzugeben, die nur noch schwarz sehen, die nicht mehr glauben können, dass es da noch eine Lichtquelle und eine Leuchtspur am Horizont für einen neuen Morgen  gibt. Sie alle meinen wir ganz besonders, wenn wir um diese Erleuchtung der Finsternis des Herzens miteinander beten, und Gott dem Herrn das zutrauen, dass er auch ins Finsterste des Menschen sein Licht hineinträgt. Dies Gott voll Vertrauen zuzutrauen, hat einen guten Grund. Denn das Um und Auf unseres Glaubens, das Zentrale unseres Glaubens überhaupt ist doch, dass Christus selbst das Licht der Aufstehung in die dunkelste und schrecklichste Zone des Todes hinein hat leuchten lassen. Des eigenen Todes und des Todes aller Kreatur. Er der am Kreuz den Tod durchleuchtet hat, mit einem  Osterlicht ohne Ende, er wird auch die Finsternis unseres Herzens erleuchten.

 

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3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Nur für Dich:
    Wenn einer dem anderen Liebe schenkt,
    wenn die Not des Unglücklichen gemildert wird,
    wenn Herzen zufrieden und glücklich sind,
    steigt Gott herab vom Himmel
    und bringt das Licht:
    Dann ist Weihnachten
    Weihnachtslied aus Haiti

  2. Liebe Eva, danke für dein nettes Feedback. Ich wollte es wäre wirklich ich gewesen, die dir aus dem Herzen spricht, aber das Lob für den Text gebührt unserem Pastor. Vielleicht gehen wir ja mal gemeinsam in eine Rorate Messe, es würde dir mit Sicherheit gut gefallen.
    Und vielen Dank für das Weihnachtslied, es ist wirklich sehr schön.

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