Schonfrist für den Papst

Foto: Marlene John

Foto: Marlene John

Die Identität des neuen Papstes war noch keine 20 Minuten bekannt gegeben, da begann „das Netz“ schon fast reflexhaft Kübel voller Unrat über ihn auszugießen. Das was schön und gut und beachtenswert ist, wurde einfach mal schnell unter den Tisch gekehrt. Das, wofür es fotografische und sonstige Beweise gibt, dass er den Armen dient und selbst bescheiden lebt, interessiert von denen, die die Messer sowieso schon gewetzt haben, keinen.

Sich mal lieber schnell dazu äußern, was in Wikipedia noch steht: die nachgesagte Nähe zur argentinischen Militärdiktatur und der angebliche Verrat an zwei Ordensbrüdern.

Ich kann genauso wenig beurteilen ob das wahr ist wie 99% der Leute, die sich jetzt im Netz darüber auskotzen. Aber sie verkünden es alle, als seien sie selbst dabei gewesen bzw. als sei es eine unumstößliche Tatsache, was der eine dann vom anderen abschreibt.

Bitte nicht missverstehen. Ich bin nicht dafür, Dinge unter den Teppich zu kehren, aber kann man dem „armen“ Papst nicht mal die berühmten 100 Tage geben und sehen wes Geistes Kind er ist? Kann man ihn nicht einfach mal wohlwollend seine ersten Schritte in diesem wahrhaft schwierigsten Führungsjob der Welt machen lassen?

Übrigens: Keiner der Kardinäle, die zur Wahl standen, hätte die Wunschzettel der verschiedenen Gruppierungen erfüllen können. Nach meiner persönlichen Meinung ist ein Papst, der Jesuit ist und sich den Namen Franziskus gibt, ein wirkliches Versprechen an eine tiefe und grundlegende Reform der Kirche. Auf eine Rückbesinnung.

Und mir persönlich wäre eine Kirche, die sich den Armen verstärkt zuwendet und sich um die Probleme der Schöpfung kümmert, wichtiger als eine, die an erster Stelle die Frage der Frauenordination behandelt.

Die stellt sich auch noch und wird auch kommen :-). Aber nicht alles auf einmal.

 

Nachtrag: Stellungnahme von Pater Franz Jalics SJ, den Papst Franzikus bei der Junta angeschwärzt haben soll, eine Stellungnahme des Friedensnobelpreisträger Esquivel sowie ein Artikel von katholisch.de: Der neue Papst und die alte Dikatatur. 

2. Nachtrag: Erklärung von Pater Jalics: Wir wurden nicht von Pater Bergoglio angezeigt

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9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke! Jeder Mensch hat Fehler und Schwächen. Jede_r hat sicher auch Schatten in der Vergangenheit. Es kommt drauf an, wie offen damit umgegangen wird und mit welchen Leuten sich jemand umgibt, um die eigenen Schwächen zu kompensieren. Jemand, der die Armen und Schwächen und die Schöpfung in den Blick nimmt, können wir wirklich dringend gebrauchen! „Das habt ihr mir getan…“

  2. es macht mich ziemlich wütend, wenn im Vorfeld schon so im Dreck gewühlt werden muss.
    Für mich ist Franziskus ein Hoffnungsträger, den die kath. Kirche dringend braucht. Lassen wir diesen bescheidenen Mann, ein Menschenfreund, doch mal machen.

  3. Erlebe immer wieder bsp. Papst, Schweiger, das Menschen einfach das Taktgefühl oder Achtsamkeit fehlt. Wir haben weiß Gott nicht alle die selbe Einstellung oder Meinung, aber andere so nieder bügeln, ist tiefste Schublade.

    • Danke für deinen Kommentar Jürgen. Wir sind uns sicher einig, dass alles für einen offenen Umgang mit Fehlern spricht, aber dass es Unsitte ist, reflexhaft zuzubeissen und andere so unwürdig zu behandeln. Beobachte auch mit Schrecken, dass dies immer mehr um dich greift.

      Finde deine Toleranz gerade bei diesem Blogpost um so schöner, weil wir ja nicht die gleiche Konfession teilen 🙂 .

  4. Interessante Informationen. Wie immer. Danke! Da ich den Vorzug habe, bei P. Franz Jalics einmal 10-tägige Exerzitien gemacht zu haben, lese ich aus seiner Stellungsnahme deutlich, dass da etwas war, sonst hätten sie sich ja nicht aussöhnen müssen, und er hätte auch nicht gesagt, dass er dazu keine Stellung nehmen könne. 5 Monate gefesselt und blind. Das ist eine Erfahrung, die schrecklich ist. P. Jalics hat so seine ganz eigene Art der Christus-Meditation gefunden, die ihm das Leben gerettet hat, und konnte sie vielen weitergeben. Sympathisch wäre es, wenn der neue Papst bekennt, dass er damals Fehler gemacht hat. Er ist im Petrusamt, Petrus ist auch gescheitert und ist dazu gestanden. Und hat gelernt. Wohltuend wäre jemand, der das öffentlich für sich selbst ausspricht. Wir müssen nicht perfekt sein, um wirken zu können. Fasse sich also jede und jeder an die eigene Nase. Und hoffen wir, dass der neue Papst einen guten Umgang mit seiner Vergangenheit auch nach aussen kommunizieren wird.

    • Ja das ist wirklich eine unglaublich schreckliche Erfahrung. Wie toll, dass du Pater Jalics kennengerlernt hast.

      Zu dem was er sagt, ja, ich lese genau das gleiche zwischen den Zeilen, aber ich lese auch von Versöhnung. Und was die beiden vereinbart haben, weiß niemand.
      Zur Zeit ist Papst Franzikus ja noch keine 3 Tage im Amt. Es wird sich zeigen, wie er mit eigenen Schwächen und denen von anderen umgeht.

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