Hilfe ist keine Eintagsfliege

Boah, ich kann manchmal sehr wütend werden. Oft ist es die Sache nicht wert, aber manchmal empfinde ich auch sowas wie gerechten Zorn.

Worüber ich mich aufrege? Immer dieses: „ich gönne es den Flüchtlingen ja, aber…“

Beispiele gefällig?

  • das DRK geht mit syrischen (traumatisierten) Kindern ins Freibad- und unsere deutschen Kinder, mit denen geht niemand, warum mit den Ausländern?
  • eine Pizzeria spendiert Flüchtlingen Pizza – warum denen, warum nicht Menschen mit Tafelberechtigung?
  • eine Freundin organisiert ein Kuchenbuffet im Aufnahmelager – warum geht ihr nicht zu einsamen alten Menschen, die nach dem Krieg Deutschland wieder aufgebaut haben?
  • schön, dass so viele Kleiderspenden zusammen kommen – aber wer denkt an die Obdachlosen?

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Das darf man ja mal sagen, fragen! Ja das darf man (auch wenn es echt dämlich und neidisch und missgünstig ist) und ich gebe euch allen, die ihr diese Frage immer wieder stellt (m)eine Antwort. Und zwar nicht, warum die Flüchtlinge diese Leistungen bekommen, dazu braucht man nur mal ganz kurz sein Hirn anzuschalten (wie war der Spruch: das Gehirn ist keine Seife, wenn man es nutzt, wird es nicht weniger).

Tunnelblick ausschalten

Hört doch auf, auf diese eine Situation zu schauen. Schaut euch die Leuten genauer an, die sich jetzt engagieren und helfen, und die sich vorwerfen lassen müssen, die Hilfe an der falschen Stelle zu leisten.

Die Menschen die jetzt helfen, die tun das in den seltensten Fällen zum ersten Mal.

Viele von ihnen haben einfach das Herz am rechten Fleck. Die machen das nicht (nur) für Flüchtlinge, sondern für Menschen, deren Schicksal sie berührt. Ein Schicksal, dem sie oft hilflos gegenüberstehen und bei dessen Bewältigung sie nicht helfen können. Denen es nicht reicht, einen Empathie Daumen auf Facebook zu geben oder einen Krokodilstränen Kommentar unter dem Foto von ertrunkenen Kindern abzugeben. Sondern die etwas tun wollen. Eine kleine oder große Geste, eine hilfreiche Hand wo eine benötigt wird, Sachspenden, Zeit, Erfahrung und und und.

Es gibt so viele unterstützenswerte Projekte

Menschen die jetzt helfen, die haben vorher vielleicht schon eine Leseaktion für benachteiligte (deutsche) Kinder gemacht, den Kältebus in ihrer Stadt unterstützt, waren mit ihrem Hund zu Besuch im Altenheim, veranstalten Events um ein Kinderhospiz zu unterstützen oder haben vielleicht nur einem Bettler einen Kaffee gekauft oder ein paar Euro in den Hut geschmissen.

Haben ein Patenkind in Indien, das sie unterstützen, oder sammeln für eine Schule in Südamerika. Überweisen monatlich Geld an ein Waisendorf in Afrika oder geben seit Jahren Kindern Deutschunterricht in der Landeswohnsiedlung.

Helfen bei der Tafel, im Tierheim, pflegen Angehörige.

Und leider fallen mir jetzt gar nicht alle tollen Projekte ein, die alleine von Freundinnen und Freunden von mir entweder ins Leben gerufen oder unterstützt wurden, materiell und immateriell.

Und dann sind dann noch die, die sowieso schon ihre Freizeit für ein Ehrenamt (opfern) zur Verfügung stellen, bei der freiwilligen Feuerwehr, beim DRK oder THW oder wie sie alle die wunderbaren Hilfsorganisationen heißen, die helfen wenn die Not groß ist, und auch oft genug wenn der Staat überfordert ist.

Und von diesen Menschen gibt es so viel mehr, als die Hass- und Neidpostings bei Facebook vermuten lassen.

Menschen, die die Augen nicht einfach zumachen, wenn sie Not sehen.

Und selbst wenn es das Erste wäre, was sie tun. Dann ist es doch toll. Man kann nicht die ganze Welt retten, aber wenn das Elend schon vor der eigenen Haustür ist, dann kann man sicher mehr tun, als die Leute, die sich engagieren, auf Facebook anzugiften.

Wer seid ihr Fragesteller, die ihr beurteilen wollt, was die Leute ,die jetzt helfen, schon alles getan haben.

Also: helft ihr schon oder meckert ihr noch.

Und wenn ihr noch eine gute Aktion sucht, die ihr unterstützen könnt, dann schaut vorbei bei #bloggerfuerfluechtlinge, lasst ein paar Euro da oder schreibt einen Blogpost zum Thema. Damit die Leute die helfen wollen sich auf die Hilfe konzentrieren können, statt sich mit den ewig gleichen (gestrigen) Diskussionen rumzuschlagen.

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3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Andrea,
    Ich kann dir da nur zustimmen. Schon als ich gestern den Kommentar unter eurer Kuchenbäckeraktion für Lebach gelesen habe, warum denn niemand an die Senioren denkt und für die backt, wurde ich auch wütend.
    Da kommen so viele Menschen an, die froh sind, dass sie noch am Leben sind, die unvorstellbar schlimme Dinge durchgestanden haben, teilweise Mitglieder ihrer Familie verloren haben…auf jeden Fall aber ihre Heimat und ihre Wurzeln. Und es wird ihnen nicht einmal ein Stück Kuchen gegönnt. Oder eine Hose. Oder eine Matratze. Auf einmal sieht jeder überall Menschen, denen zuerst geholfen werden soll, weil die ja schon länger hier leben: Obdachlose, Senioren, Kinder, Arbeitslose. Aber man kann doch Hilfsbedürftigkeit und Elend nicht gegeneinander aufwiegen. Wer lieber Senioren helfen will: Bitte! Wer hindert euch? Wer Kindern helfen will: nur zu. Aber die Senioren und Kinder als Vorwand und Ausrede zu benutzen, um den Flüchtlingen nicht zu helfen, obwohl sie dringend Hilfe brauchen, finde ich mehr als armselig. Weiter so Andrea: mit allen Posts und Aktionen, die die Leute endlich mal wachrütteln…worauf ich noch immer hoffe

    • Danke für deinen Kommentar. Gut, dass du genau das nochmal verstärkt rausstellst. Keiner wird gehindert dort zu helfen, wo er Not sieht.

      Die Kommentatorin gestern Abend war es auch die den letzten Stein des Anstosses für diesen Blogpost gegeben hat. Sie hat ihren Kommentar übrigens gelöscht…

      • Ja das hatte ich mitbekommen. Aber ich fürchte fast, sie hat ihn nicht aus Einsicht der Dämlichkeit ihrer Worte gelöscht, sondern weil viele dann doch nicht damit klar kommen, wenn man rational argumentiert und Plattitüden nicht unterstützt. So ist es leider viel zu oft 🙁

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