Kräuterstrauß zu Maria Himmelfahrt

In diesem Jahr sollte es mir nicht ergehen wie im letzten Jahr, als ich an Maria Himmelfahrt ohne Kräuterstrauß, im Saarland auch Kräuterwisch genannt, im Hochamt saß.

Und weil ich keine kleine Kräuterfee bin, kam mir der Workshop  vom Umwelt- und Freizeitzentrum Finkenrech in Dirmingen: „Alte Tradition: Kräuterwisch“ gerade recht.

18 Frauen ließen sich, unter der fachkundigen Leitung von Agnes Schmal, durch den Arzneipflanzengarten auf Finkenrech führen und dort allerlei Wissenswertes rund um die Pflanzen erzählen.

Den perfekten Kräuterstrauß gibt es übrigens nicht. Zum ersten gibt es regionale Unterschiede, was in den Strauß kommt, zum zweiten haben sich die Blühzeitpunkte der Kräuter durch den Klimawandel verschoben, so dass heute schon vieles verblüht ist, was früher zu diesem Zeitpunkt blühte und als drittes wurden etliche neue Kräuter durch die Globalisierung in Deutschland heimisch, die man heute auch gerne in den Strauß bindet.

Wichtig ist, dass es Heil- und Würzkräuter sind, aber auch Getreideähren gehören unbedingt in den Strauß.

Wir haben bei unserem Workshop u.a. folgende Pflanzen kennengelernt:

 

Herzgespannkraut: wird empfohlen bei Herzbeschwerden

 

 

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Fenchel: lindert Verdauungsbeschwerden

 

 

 

Echinacea: kam erst 1930 aus Nordamerika zu uns. Dient der Stärkung der Immunabwehr

 

 

Ringelblume : als dekoratives Element eignen sich die essbaren Blüten im Salat, sind aber vor allem für ihre Verwendung als Heilsalbe bekannt

 

 

Seifenkraut  Schleimlöser und in früheren Zeiten zum Waschen von Spitzen eingesetzt.

 

 

Odermennig  ein altes Augenheilmittel, wird heute eher für die Verdauung eingesetzt

 

 

Pfefferminze: für Magen und bei Erkältungsbeschwerden. Ganz neu war mir, dass es auch eine leicht  giftige Pfefferminze gibt, die Poleiminze.

 

 

Beinwell:  äußerliche Anwendung als Breiumschlag bei Prellungen. In früheren Zeiten sollte ein Bad in einem Sud aus Wurzel und Kraut aus einer Witfrau wieder eine Jungfrau machen.

 

 

Weißdorn: zur Linderung von Herz- und Kreislaufstörungen. In früheren Tagen gehörte Weißdorn in jeden Brautstrauß.

 

 

Goldrute:   wurde erst 1920 aus Kanada importiert. Gut gegen Blasensteine

 

 

Melisse :  wirkt beruhigend

Els :  auch Absinth Wermut, wurde als Hausmittel gegen Übelkeit eingesetzt. Er ist jedoch so bitter, dass empfindliche Menschen und Kinder mit Erbrechen reagieren.

 Die Klassiker

 

Königskerze: wohl eine der bedeutsamsten Pflanzen für den Kräuterwisch. Bei uns leider schon verblüht. Wird in vielen Regionen in die Mitte des Straußes gebunden, alternativ kann man auch eine Rose nehmen, als Zeichen der Gottesmutter.

 

 

Liebstöckel: jedem Saarländer wohlvertraut unter dem Namen Maggikraut, da die Pflanze eben diesen Duft ausströmt (und für mich in einem ansonsten sehr wohlriechenden Kräuterstrauß nichts zu suchen hat). Dabei handelt es sich wohl um ein Aphrodisiakum. Vielleicht kippen die saarländischen Männer daher Unmengen Maggi in die Suppe.

Rainfarn: in früheren Zeiten wurde Fleisch damit konserviert, heute weiß man, dass die Pflanze, innerlich angewendet, giftig ist, äußerlich kann sie als Sud bei Kopfläusen eingesetzt werden (gibt es allerdings bessere Mittel) oder auch als Breiumschlag bei Quetschungen und Krampfadern, wobei dies auch Allergien auslösen kann. Die Blätter des Rainfarn getrocknet und in ein Buch eingelegt, sorgt für guten Geruch, weswegen man ihren Einsatz auch für das Gebetbuch empfahl.

Beifuß:  sollte im Kräuterstrauß nicht fehlen. Die Blätter in den Schuh sollen bewirken, dass die Füße beim Wandern nicht so schnell zu ermüden.

 

 

Johanniskraut: nach einer Legende tropfte das Blut von Johannes dem Täufer auf diese Pflanze. Wird eingesetzt zur Linderung von Stress, Erschöpfung und Depression, die eingelegten Blüten ergeben ein schmerzlinderndes und entzündungshemmendes Öl.

 

Wilder Oregano:  wird auch Donnerkraut genannt. Beliebt als Würzkraut

 

 

Schafgarbe: wirkt blutstillend. Im Frühjahr wird es gerne dazu genutzt Butter, Quark und Salat schmackhaft anzumachen.


 

Es war ein sehr lehrreicher Nachmittag. Vielen Dank an Agnes Schmal, die diesen Workshop hervorragend vorbereitet und durchgeführt hat. Nach unserem Rundgang durch den Garten, warteten die meisten Pflanzen schon geschnitten darauf,  in unseren ganz persönlichen Kräuterwisch verwandelt zu werden. Alle Sträuße wurden wunderschön, und nicht einer glich dem anderen.

 

 

Der Tradition entsprechend wird der Strauß mit zur Messe genommen und dort gesegnet. Nach der Segnung wird er aufgehangen. In Bauernhäusern gern im Herrgottswinkel. Im Laufe des Jahres kann man Tee daraus zubereiten, in früheren Jahren hat man ihn auch unters Dach gehangen, um Blitzeinschlag abzuwehren. Traditionell wurde einem Verstorbenen ein Teil des Straußes in den Sarg mitgegeben. Nach Ablauf des Jahres, wenn man den neuen Kräuterwisch bindet, darf man den alten auf keinen Fall wegwerfen, er ist ja gesegnet. Verbrennen wäre dann das Mittel der Wahl, oder einen starken Tee davon kochen, aber dann solltet ihr schon genau wissen, welche Kräuter darin sind und ob sie sich dafür eignen.

Und ihr, habt ihr auch einen Kräuterstrauß gebunden? Freue mich sehr über eure Kommentare.

 

PS: Vielen Dank an Agnes Schmal, die mich auf einige Fehler hingewiesen hat, die sich in den Text eingeschlichen hatten, aber zuhören, schreiben, fotografieren und Kräuter sammeln, da sind nicht alle Fakten richtig hängen geblieben :-).

 

 

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1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Ich persönlich finde diese alte Tradition ganz wunderbar. Sie unterstreicht in ganz besonderer Weise die Bedeutung unserer Kräuter. So viele von ihnen, die wir allzuoft mit Füßen treten, haben ganz wundervolle Heilkräfte und dieser Brauch des Kräuterwischs verhilft dazu, dass sich mehr Menschen wieder auf die Phytotherapie besinnen und einlassen.

    Wenn in 2016 wieder ein solches Angebot besteht, wäre es ganz wunderbar, wenn dieses „weiträumig“ publiziert würde.

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