Das Projekt “GEBEN“

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Im Moment fehlt mir leider die Zeit zum bloggen. Wie schön, dass ich aber nochmal dazu ausgewählt wurde, den Blogpost eines Freundes hier vorzustellen. Auch diesmal wieder anonym, weil es nur um die Sache gehen soll und nicht um den Inititator, der aber (genau wie ich) sehr gespannt ist, welches Feedback ihr in den Kommentaren zu der vorgestellten Idee gebt. Also immer her mit euren Anregungen, Ideen, Kritiken, Lob oder was euch dazu einfällt. Ach ja, wir im Gastbeitrag-Logo erkennen könnt handelt es sich bei unserem anonymen Schreiber diesmal um einen Mann.

 

Das Projekt “GEBEN“

Tue Gutes und . . . nix und!

„Es gibt mindestens zwei Mitschüler in der Klasse von Jonas, die nicht mit auf Klassenfahrt gehen. Und das nur, weil ihre alleinerziehenden Mütter die 45,- Euro nicht aufbringen können.“

Einen solchen oder ähnlichen Satz haben die meisten von uns schon gehört. Ihm folgen ein paar Minuten Betroffenheit, Mitleid oder Wut auf die fehlende Hilfe von Seiten des Staates. Irgendjemand sollte sich mal um solche Fälle kümmern.

Warum bin ich nicht dieser „Irgendjemand“?

Ich sehe, dass Hilfe benötigt wird, und doch schaue ich weg, hoffe auf die anderen. Wurde nicht auch für solche Fälle der Begriff der Zivilcourage geprägt.

Darf ich eingreifen? Muss ich sogar eingreifen?

Vielleicht machen wir es uns bei diesen kleinen menschlichen Tragödien auch so schwer, weil sie irgendwo zwischen „Der alten Dame über die Straße helfen“ und „Bei einer Pöbelei gegen Ausländer eingreifen“ liegen. Im Niemandsland zwischen Selbstverständlichkeit und Heldentum.

Fakt ist: Viele von uns würden gerne direkte Hilfe leisten. Wenn sie wüssten wem und wie. Hilfsbedürftige kennt fast jeder:

Die oben erwähnte alleinerziehende Kollegin, die die Klassenfahrt des Sohnes nicht bezahlen kann. Die Nachbarskinder, deren Eltern sich nie die vier Eintrittskarten für den Zoo oder das Kino leisten können.

Fakt ist aber auch, dass Helfen und Hilfe annehmen eine sehr sensible Sache ist. Verbunden mit der Angst als gönnerhaft und Gutmensch zu gelten oder der Scham, Geld anzunehmen – in der Gewissheit es nicht zurückzahlen zu können.

Das Projekt „GEBEN“ ist eine Idee frei nach dem Motto „Es gibt nichts Gutes – außer man tut es!“

Eine Idee, kein Verein, keine Organisation, sondern eine Grundhaltung verschiedenster Menschen, die sich für ein akutes Projekt als Spender zusammenfinden. Eine gutes Beispiel, ein Mutmachen für andere.

Jedes noch so kleine Geben hat einen Initiator, einen Ansprechpartner und einen Verantwortlichen: Mich selbst.

Es geht nicht um den Hunger in der Welt, es geht um einmal Pizzaessen mit der Familie. Ich rede hier von 30, 50, oder 100 Euro. Oder auch mal 43,76 für eine Fahrkarte zur Enkelin.

Vieles, wie 20 Liter Sprit oder drei Kinokarten, kann man eben nur mit Geld bezahlen.

Die hier gemeinte Art des GEBENs ist immer personen- und bedarfsbezogen. Der Zweck und die Summe sind definiert und nicht „mal schauen, was zusammen kommt“. Es geht nicht um monatliche Unterstützung, es geht um die akute Härte, den momentanen Bedarf:

Frau Schmitt braucht 70,00 Euro für die aktuelle Stromrechnung.

Ein konkreter Zielbetrag erleichtert das Sammeln!

„GEBEN“ bedeutet:

  • Augen und Ohren auf. Hilfe im Kleinen muss man suchen und finden
  • Zu klein gibt’s nicht. Auch 10 Euro können ein riesiges Glück sein
  • Jetzt und hier. Nicht 4 Wochen sammeln mit Checkübergabe
  • Konkret sein. Wer, wofür, wie viel. Nicht mehr und nicht weniger
  • Vormachen. Geldbeutel auf, Knete auf den Tisch
  • Überzeugen. Es gibt noch mehr Geldbeutel am Tisch
  • Bitte und Tschüss. Vielleicht ein Dankeschön, garantiert keine Spendenquittung
  • Vertrauen. Nein, niemand weiß ob das Geld nicht doch für eine Stange Zigaretten ausgegeben wird, denn kein Beschenkter ist Rechenschaft schuldig
  • Nicht an die große Glocke hängen – das wird für beide Seiten peinlich.

 

Das Projekt „GEBEN“ ist somit das kleinste und spontanste Offline-Fundraising, das jeder initiieren und an dem jeder partizipieren kann.

Zu geben kann eine Grundeinstellung werden, befreit von der Unsicherheit und der Scham des Schenkens und der Bedürftigkeit.

Fangen wir doch gleich mal mit dem GEBEN an:

Mit dem Feedback GEBEN.

 

 

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8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Na dann … 😉

    Guter Ansatz, wobei ich eine gewisse „Kontrolle“ beim Geben jedoch für sinnvoll erachte. Kontrolle sich selbst gegenüber (sich selbst oder manch andere gilt es vor altruistischer Schlagseite zu schützen, weil das irgendwann böse nach hinten losgehen kann), „Kontrolle“ aber auch anderen gegenüber. Beispiel: Am Bahnhof wird man häufiger um Geld für Fahrkarten angesprochen. Da ist es (leider) interessant zu sehen, wie rasch „Bittsteller“ das Weite suchen, wenn man mit Ihnen gemeinsam einen Fahrkartenautomaten aufsuchen möchte. Ähnlich bei erbeten Gaben für Was zwischen die Zähne. Und: Manche Notlage läßt sich nicht mit Geld beheben, sondern durch Zupacken.
    Andererseits kann man gewiß Auge und Ohr schärfen, um zu merken, wo jemand etwas benötigt, obwohl oder gerade weil nicht danach gefragt wird.
    Aber auch: Man sollte eine gute Idee nicht unter allzuviel theoretischem Pro und Contra begraben. Wenn jetzt jeder anfängt, nachzudenken, wo er da etwas Gutes tun könnte, wo er bislang nichts getan hat, dann ist dieser erste Schritt vielleicht auch schon ein Sprung in die richtige Richtung.

    • Klar bitten viele um eine Fahrkarte und setzen es nachher vielleicht in Alkohol oder Zigaretten um. Wer bin ich, da zu richten?
      Und ja manchmal ist zupacken wichtig, und manchmal ist es wichtig zusammen mit dem Euro oder den zwei oder drei die man einem Obdachlosen gibt auch ein Lächeln zu schenken und ihn wahrzunehmen.

      Aber um diese Beispiele ging es dem Gastautoren meiner Meinung nach gar nicht so sehr…

  2. Hallo,

    ich finde Bedarf wahrzunehmen und zu Geben ist eine persönliche Haltung und verlangt nach Übung.
    Geben sollte immer so geschehen, dass man den Beschenkten nicht beschämt.

    Eine gute Idee zu Geben ohne zu beschämen ist die Freundlichkeitskette. Angeregt wurde sie irgendwann mal von Vera Birkenbiehl, soweit ich mich erinnere.

    Jeder der etwas bekommt kann sich freiwillig verpflichten auch jemanden zu unterstützen. Egal in welcher Art. Das erleichtert das Annehmen und gibt ein gutes Gefühl und ist in einem Satz schnell erklärt.

    Hier haben Sie.xyz und wenn Sie können geben Sie irgendetwas an jemand anderen weiter.

    Wo ich allerdings Methode wittere bin ich auch eher praktisch veranlagt. Dann erledigt sich die Notlage oft von selbst.

    • Hallo Brigitte, die Freundlichkeitenkette von Vera F. Birkenbihl kenne ich auch, die ist auch klasse. Danke für die Erinnerung daran. Aber ich glaube hier geht es mehr um geben, wenn man eine Notlage sieht, ohne etwas dafür zu fordern, einfach nur so. Und ob der andere dann auch was tut, sollte zweitrangign sein.

      Was ich nicht verstehe ist die Sache mit der Methode. Vielleicht kannst du das ja noch mal näher erklären…

  3. Ja, schönes Projekt. Allerdings ist Nehmen für viele nicht einfacher. Da könnte sicher noch vieles geschehen in unserer Lebensgrundhaltung. Vielleicht beginnen wir ja schonmal mit Üben: grosszügig geben und fröhlich nehmen. Und nicht zählen dabei.

    Brigitte Kräusslings Beitrag erinnert mich an den Film „Pay it forward“ mit Helen Hunt. Die Idee darin ist genial.

  4. Liebe Kommentatoren /innen,
    erst mal herzlichen Dank, dass Ihr auf meine Idee eingegangen seid und mich auf ein paar Fallstricke aufmerksam gemacht habt. Man merkt, solch einfach scheinende Dingen wie Nehmen und Geben können im „Bedarfsfall“ wirklich problematisch sein und müssen sensibel gehandhabt werden.
    Es soll halt keine Anlaufstelle für „Haste mal nen Hunni?“ werden, daher auch kein Verein oder Verantwortlicher.
    Ich würde mir eine sensibleren Umgang mit den wirklichen Bedürfnissen von Menschen aus unserem Umfeld wünschen, so dass wir innerlich bereit sind etwas abzugeben, wenn wir von einem konkreten Fall hören. Denn nur wenn einer spontan in die Tasche (seine eigene) greift, kann er andere begeistern mitzumachen.
    Danke noch einmal für eure Meinung.
    Ob’s klappt? Keine Ahnung, Versuch macht kluch…

  5. in vielen fällen kann man durchaus anonym bleiben, wie z.b. bei der klassenfahrt. niemand hindert irgendjemanden daran, die € 45.– zweckgebunden an die schule zu bezahlen und die mütter darüber zu informieren, da braucht man keinen namen zu nennen.

    mir haben viele leute geholfen als ich nix hatte, immer mit dem zusatz: du wirst schon jemanden treffen, den du zum essen einladen/mit einer rechnung helfen/etc. kannst. mach‘ ich auch immer. und ich finde das ganz in ordnung so. ich hab genommen als ich nehmen musste, jetzt kann ich anderen geben, so geht das im leben. klar gibt es manchmal menschen, denen das irgendwie unangenehm ist, aber viele von ihnen haben schon früher anderen was gegeben, die das vielleicht auch nicht so einfach gesehen haben, daran erinnern sie sich aber nicht.

    oder es kommt: aber damit hast du ja nix zu tun gehabt. mir haben leute was gegeben, die kannten mich nicht einmal, und lernten mich nie kennen, und ohne diese leute hätte ich nicht überleben können.

    zwischen berufsschnorrern und mittellosen mache ich natürlich auch unterschiede. aber man kann die leute schon gut auseinanderhalten: die, die es notwendig haben, schnorren am wenigsten.

    bei der supermarktkasse kennt mich die eine kassiererin schon lange, die weiss, dass ich ihr manchmal nur aus dem hintergrund zunicke wenn eine omma ihre von ihr groschen zählen lässt, ob sie sich die milch UND die butter leisten kann. der omma bleibt dann immer noch ein wenig kleingeld …

    nachbarn oder leute, die schwer über die runden kommen, kann man auch einmal um den einen oder anderen gefallen bitten, und ihnen dann erklären, man hätte die karten für den zoo gewonnen oder geschenkt bekommen. tatsächlich habe ich schon mehr gutscheine gewonnen, als ich jemals für mich selber eingelöst habe.

    es ist nicht immer einfach, weil man niemanden kränken will oder zeigen, dass „man es sich leisten“ kann. aber es gibt ja immer leute die mehr haben als man selber, und leute, die weniger haben oder gar nichts, und das kann ganz schnell gehen, ganz ohne eigene schuld.

    es geht meistens. irgendwie. man muss es nur versuchen.

    • Danke kelef, dass du deine Geschichte mit uns teilst. Da sind einige Anregungen drin, wie man vorgehen kann. Die Supermarktgeschichte ist klasse und die Idee mit: „ich hab die Karten für den Zoo gewonnen“ (oder für etwas anderes) ist echt klasse.

      Ich hab auch die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen die es wirklich nötig haben lieber frieren als andere um Geld zu bitten und oft auch zu scheu sind um staatliche Hilfe oder die der Tafeln in Anspruch zu nehmen.

      Ich habe mir aber auch den Grundsatz zu eigen gemacht, wenn jemand um etwas bittet, dann wird er es in den allermeisten Fällen auch nötig haben und wer bin ich, dass ich beurteile ob sie bedürftig sind oder nicht, daher versuche ich meist nach dem Wort zu handeln: bittet und es wird euch gegeben. Und dass ohne herablassende oder gönnerhafte Attitüde. Was wissen wir schon warum Menschen in Not geraten….

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