Eine Lanze brechen für Texter_innen, Grafiker_innen und Fotograf_innen*

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Ich möchte in diesem Blogpost eine Lanze brechen, für all die Texter_innen, Grafiker_innen und Fotograf_innen* da draußen, deren Leben durch die technologischen Möglichkeiten, die heute jedem zur Verfügung stehen, nicht gerade einfacher wird.

Heute stehen jedem Laien über günstige Fotoapparate und Gestaltungsprogramme so viele Möglichkeiten offen, etwas halbwegs passables hinzubekommen, dass man an allen Ecken und Enden dem „do it yourself“ begegnet. Texter_innen kennen das wahrscheinlich schon länger: warum für einen guten Text bezahlen, den kann man doch mal schnell selbst in die Tastatur hauen.

Ich möchte in diesem Post nicht den Wandel der Zeiten beklagen, darum geht es mir nicht. Klar ist es toll, dass einem heute über Apps und günstige Programme so viele Möglichkeiten offen stehen, Dinge selbst zu machen, die früher unmöglich waren. Und klar haben viele auch nicht das Geld um sich diese Dienstleistungen von Profis einzukaufen.

Worum es in diesem Post gehen soll, ist die Wertschätzung, die die Arbeit von anderen verdient und bei der wir im Zweifel den Aufwand gar nicht beurteilen können.

Beispiel 1 Text:

Ich schreibe die Texte für unsere Jubilare. Um diese zu schreiben, muss ich  erst mal ein Konzept erstellen, was rüberkommen soll und was wirklich wichtig ist, dann müssen Interviews mit den Beteiligten geführt werden, und dann erst kann der Text geschrieben werden. Weil das in meiner Arbeitszeit geschieht, kostet das ja vermeintlich kein Geld.

Würde ich diese Leistung extern einkaufen und bekäme ein Angebot über mehrere Hundert € würde ich erst mal schlucken.

Beispiel 2 Grafik:

Mit dem iPhone ein Bild gemacht, mit einer App für 0,89 € verfremdet und mit einer Schrift-App einen markanten Schriftzug draufgeklatscht. Fertig ist das Plakat, Logo, was auch immer. Die Friemelei auf dem iPhone kann schon mal Stunden dauern und ob das Endprodukt wirklich gut ist, sei mal dahingestellt.

Beispiel 3 Fotografie:

Einsteigerspiegelreflexkameras bekommt man heute schon für einen mittleren dreistelligen Betrag. Na damit kann man ja dann Fotos machen wie die Profis, und für die Hochzeit braucht die Freundin dann keinen ach so teuren Fotografen anzuheuern. Dass man dann doch keine Ahnung hat, merkt man später, wenn die Hochzeit vorbei ist und man mit Schrecken feststellen muss, dass schwarz (Bräutigam) und weiß (Braut) auf einem Foto vielleicht doch nicht ganz so einfach zu fotografieren sind. Eine Fotografenausbildung dauert nicht umsonst Jahre und kann nicht eben mal schnell mit einem VHS Kurs erledigt werden.

Worum es mir geht: 

So und jetzt komme ich zum Punkt. Man kann das gerne alles machen, aber sollte dabei nicht verkennen, wie viel Zeit man für Dinge investiert, um sie halbwegs manierlich hinzubekommen. Dabei haben wir weder Zeit und Geld für eine Ausbildung oder ein Studium investiert, unsere Ausrüstung ist eine Laienausrüstung und kostet, gemessen an der Profi-Ausrüstung, einen Appel** und einen Klicker. Wir haben einen Job, der uns ein regelmäßiges Einkommen beschert und müssen nicht noch in unser Werk Sozialversicherung, Miete und was sonst alles noch so in einem Büro und einem Atelier anfällt, einrechnen.

Warum glauben wir, dass der Profi, der/die davon leben muss und das Metier so viel besser beherrscht als wir, und daher auch ein sicher wesentlich besseres Endprodukt abliefern wird, dieses für einen Freundschaftspreis (also fast geschenkt) abliefern sollte?

Dies soll ein Appell sein, die Arbeit anderer Menschen zu schätzen und nicht zu unterschätzen. Realistisch zu sehen, zu was man selbst fähig ist, und wie viel Zeit Dinge beanspruchen. Wissen, dass man selbst kein schnell-schnell-Ergebnis haben will, und daher keinen Discount-Preis erwarten kann.

Keine Ahnung warum, aber dies alles ist mir heute morgen beim Laufen durch den Kopf gegangen und ihr liebe Leser_innen könnt mir jetzt 2 Gefallen tun:

  1. kommentieren und
  2. nicht unserer Agentur erzählen, dann kann ich beim nächsten Mal nicht mehr so handeln 🙂

PS: Ich bin keine Texterin und mir unterlaufen immer noch Rechtschreib- und Kommafehler. Wenn ihr welche findet, dürft ihr sie gerne behalten.

* beliebig um andere Dienstleistungsberufe erweiterbar 
**nein, das ist kein Schreibfehler, bitte deutsch und umgangssprachlich aussprechen.

 

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3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Endlich mal eine, die es deutlich ausspricht! Ich sehe das genauso. Man kann sich zwar viele Dinge bis zu einem gewissen Grad selber beibringen – allerdings nicht innerhalb von ein paar Stunden. Und eine noch so hochwertige Kamera macht kein gutes fotografisches Auge oder gestalterisches Gespür, genauso wenig wie eine Schwalbe einen Sommer macht.

    Ich möchte noch was ergänzen: es gibt ja sogar Menschen, teils wohlhabende Unternehmer, denen selbst wenige Euro für Bilder von einer Bildagentur zu teuer erscheinen. Und denen das Selbermachen wiederum zu lästig ist oder misslingt. Da wird dann munter geistiges Eigentum geklaut, was das Zeug hält. „Ein bisschen retuschieren, dann merkt das keiner!“

  2. So isses. (Kein Rechtschreibfehler.) Ich glaube, dass das in allen kreativen und sozialen Berufen dasselbe ist. Als Pfarrerin bekomme ich zwar mein festes Gehalt, aber stünde ich nicht im kirchlichen Dienst, müsste ich, damit es halbwegs realistisch bleibt, für eine Beerdigung auch mindestens 400-500€ verlangen. Neulich zu jemanden gesagt. Grooooße Augen! Wofür? Ist doch nur etwas Gerede?
    Nein.
    Es ist
    – ein professionelles Vorgespräch, ca. 1 Stunde
    – das Verfassen der Ansprache, die man entgegen landläufiger Meinung als Pfaffe eben nicht schnell aus dem Web zieht, mindestens 3-4Stunden
    – schliesslich das Halten der Feier. Ca. 1 Stunde.

    Also ca. 6 Stunden hochprofessionelle Arbeit einer Akademikerin. Das rechne ich vor, verbunden mit dem Kommentar, doch mal auf die letzte Handwerkerrechnung zu schauen….

  3. Genauso ist es. Aber fragt mal, was Leute bereit sind, in der Autowerkstatt zu bezahlen. Ja gut, da wird vielleicht mal ein bisschen geknurrt: „80 Euro Stundensatz, das ist aber viel.“ Aber klar, die Reparatur muss halt sein, ist ja sicherheitsrelevant.
    Wenn ein/e Kreative/r hingegen eine entsprechende Gegenleistung für die kreative Leistung verlangt, fällt die Entscheidung eben doch häufig dahingehend aus, dass man es lieber mal „fix“ selber macht. Wie viele Stunden das „fix mal eben“ dann wirklich beansprucht, wird vermutlich gar nicht registriert – schließlich rechnet man seine eigene aufgewendete Zeit in nicht berufsbezogenen Angelegenheiten ja nicht in Geld um.
    Klar, grundsätzlich kann man natürlich alles selbst machen, um Geld zu sparen. Mal eben „fix“ die Zylinderkopfdichtung oder die Bremsen beim Auto auswechseln. Oder mal eben fix die Haare selbst schneiden, ein Zahnimplantat klöppeln und einsetzen und den entzündeten Blinddarm des Kindes entfernen. Klar, kann man so machen. Aber dann bitte nicht wundern, wenn das Ergebnis nicht wunschgemäß ausfällt. 😉

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