Ach wie schön ist … Jersey Teil 1

St Brealde

 

Meinen Urlaub habe ich dieses Jahr auf Jersey verbracht. Jersey, eine von 5 wundervollen kleinen Inseln im Ärmelkanal, in der Bucht von St Malo.

Geographisch könnte man meinen sie gehöre zu Frankreich, andere wissen vielleicht, dass es eine britische Inseln ist, aber zu Großbritannien gehört sie eben auch nicht. Nein die Kanalinseln sind als Kronbesitz direkt der britische Krone unterstellt. Jersey hat eine eigene Gesetzgebung und ein eigenes, unabhängiges Steuersystem und eigene Geldscheine und Münzen, wenn auch keine eigene Währung, gezahlt wird in Pfund.

Gefahren wird wie in England auf der linken Seite, wobei viele Straßen so unglaublich eng sind, dass es kein rechts und kein links gibt. Höchstens ein zurück, wenn einem in einer derart engen Strasse ein Bus entgegenkommt.Dann heißt es zurückstoßen bis zur nächsten Abzweigung.

Und manchmal geht es auch nur im Gänsemarsch voran. Diese Ladies haben erst Platz gemacht, als ihnen ein Auto entgegenkam.

Gänse

Da die Strassen so eng sind, gibt es ein Gesetz, dass die Anwohner dazu verpflichtet 2 Mal im Jahr ihre Hecke zu stutzen. Wer jemals auf Jersey unterwegs war, der weiß warum.

Gerade mal 14,5 km lang ist diese wunderschöne Insel, da sollte man meinen, dass sie schnell erkundet und erfasst ist. Aber wer zum ersten Mal dorthin reist, ist gut beraten, die ein oder andere geführte Wanderung zu buchen. Es ist unglaublich was es nicht alles zu wissen und zu entdecken gibt.

Als Inselunkundige, die aber so viel wie möglich in diesen 7 Tagen erleben wollte, war ich unglaublich dankbar, dass mir der Zufall eine unglaublich nette Truppe an Mitreisenden beschert hat und wir mit Trudie Trox-Hairon eine nicht nur höchst kompetente, sondern auch durch und durch charmante und liebenswerte Reiseleiterin „erwischt“ haben.

Trudie, eine Deutsche die  zu Recherchezwecken nach Jersey gereist ist und dort ihren Mann kennenlernte, kennt die Insel in- und auswendig: von der Jungsteinzeit über das Mittelalter bis zur Neuzeit, dem unrühmlichen Verhalten der Deutschen auf Jersey im 2.WK, über Flora und Fauna, Meeresbiologie und Gezeitenströme – man konnte ihr Löcher in den Bauch fragen, sie hatte auf alles eine kompetente Antwort. Am Abend nach den Wanderungen waren dann oft nicht nur die Beine erschöpft, auch im Kopf machte sich eine gewisse Müdigkeit breit. Wie gut, dass uns der Reiseveranstalter zusammen mit den Unterlagen einen externen Speicher aka Notizbuch mitgeliefert hat, so konnte ich die vielen Details notieren.

Und was es nicht alles zu sehen gab. Am 1. Tag nicht weniger als 3 Programmpunkte:

La Hogue Bie Museum

La Hougue Bie

La Hougue Bie ist ein jungzeitliches Ganggrab, das man tatsächlich betreten kann. Auf einem der Fotos könnt ihr allerdings erkennen, wie klein man sich machen muss, um ins Innere zu gelangen. Nachdem man ein paar Meter in gebückter Haltung zurückgelegt hat, kann man in der Grabkammer dann aufrecht stehen. Das Gefühl wieviele Tonnen Erde über mir aufgetürmt waren, inkl. mittelalterliche Kirche, gab mir ein eher mulmiges Gefühl. Beeindruckend war, wie perfekt die Öffnung ausgerichtet ist, um das Licht bis zur Grabkammer zu lenken.

Auf dem Gelände befindet sich auch der größte bisher geborgene Kelten-Münzschatz. Er besteht aus geschätzten 70.000 Münzen sowie Gold- und Silberschmuck. Bisher wurden 52.500 Münzen freigelegt. Im Museumsgebäude kann man neben einer Nachbildung auch die Arbeiten zur Freilegung der Münzen beobachten.

La Hougue Bie

Die Nachbildung des Fundortes und des Schatzes

La Hougue Bie

Der echte Schatz und ein Blick ins Labor

Mont Orgueil

Über dem Hafenstädtchen Gorey thront die Insel Mont Orgueil. Die Burg ist auf alle Fälle einen Besuch wert. Nicht nur für Kinder, die standesgemäß als Ritter und Burgfräulein verkleidet die Burg erkunden können. Interessante Videos und Dokumentationen geben einen guten Einblick in die Geschichte der Burg.

Mont Orgueil

Blick zur und von der Burg

Ein stolzer Ritter und eine etwas andere Ahnentafel

Eine etwas andere Ahnentafel

Ihr meint, das wäre Programm genug für einen Tag. Da täuscht ihr euch. Von Gorey ging es weiter nach Seymour zur

Austernwanderung

Ob ihr Austern mögt oder euch davor gruselt, eine Austernwanderung sollte in eurem Programm nicht fehlen, besonders wenn sie von Trudie geleitet wird. Mit ihr erfährt man nicht nur unglaublich viel über die Zucht der Austern und welche Arten es gibt, warum man Austern zwar in Monaten ohne R essen kann, aber sie nicht schmecken, aber vor allem erfährt man ungeheuer viel über Algen. Ich konnte diesem für mich „Unkraut“ bisher nie viel abgewinnen. OK, beim Japaner schon mal als Salat gegessen. Aber die „normalen“ Algen am Strand? Glibberiges und unangenehm riechendes Zeug. Aber nun sehe ich Algen mit ganz anderen Augen. Was man nicht alles daraus machen kann: Feuchtigkeitscreme und Wundverband, schmackhaftes Essen und Dünger.

Jersey

Austern Muscheln Jersey Ebbe

Austern Muscheln Jersey Ebbe

Die Wanderung endete in einem Pub, in dem es 2 große Platten mit Austern zum Verspeisen gab. Ich musste leider passen, leider vertrage ich sie nicht, auch nicht in Monaten mit R :-).

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Eigentlich schon Programm genug für eine ganze Woche 🙂

Soweit ein erster Einblick. Mehr zu der kulinarischen Seite von Jersey erzähle ich euch drüben bei den Backschwestern: Jersey – eine Insel voller Köstlichkeiten. 

Ach ja, ich habe noch einen besonderen Tipp für euch, der euch bei der Vorbereitung eurer Reise oder auch nur aus Wissensdurst weiterhelfen kann: Zu vielen Sehenswürdigkeiten gibt es Audio Guides die ihr euch runterladen könnt. Eine wirklich großartige Idee.

Noch eins. Wie mir mein Hotel gefallen hat, dass könnt ihr auf Tripadvisor nachlesen. Vielleicht reicht euch aber schon die Überschrift, um zu wissen wie es mir gefallen hat: Käfighaltung für Alleinreisende.

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3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für den tollen Eindruck! Leider kenne ich die Kanalinseln nicht. Frank hat sie schon besegelt und schwärmt noch heute davon

  2. Danke für deinen ausführlichen Reiseblog, und dass du uns so an deiner Reise teilhaben lässt! Es ist mit Sicherheit eine sehr interessante Insel, die sich zu erkunden lohnt!

    Ach ja… Reisen ist einfach schön. 🙂

  3. Ach, liebe Andrea, jetzt hast Du wunderschöne Erinnerungen und großes Fernweh in mir geweckt. Ich war schon zweimal jeweils zwei Wochen lang auf Jersey und dachte, ich hätte die Insel komplett gesehen. Weit gefehlt: Dank Deiner kompetenten Führerin hast Du ganz andere Ecken entdeckt. Ich denke, ich muss da auch bald wieder mal hin. Gewohnt habe ich einmal im Beausite Hotel in der Gorey Bay. Ein bisschen in die Jahre gekommen, aber tolle Lage und sehr nette Menschen dort.

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