Wie Maria zur Jungfrau wurde

Untertitel: Zur Geschichte des Bibeltextes.

CIMG3107

Ein reißerischer Titel der im Vortragsprogramm der Wissenschaftslounge beim Wissenschaftssommer auf dem Programm stand, der aber seine Wirkung nicht verfehlte. Ca. 20 Zuhörer hatten sich eingefunden, um Prof. Dr. Kraus von der Fakultät für Evangelische Theologie der Universität des Saarlandes bei seiner Beweisführung zu lauschen. Der Titel hätte auch lauten können: „Hatte Jesus nur einen einfachen haploiden Chromosomensatz“?.

Gleich zu Anfang bekamen die Zuhörer Kopien von Bibeltexten in die Hand gedrückt, damit sie das Gesagte mitlesen und nachverfolgen konnten.

Jeder Fremdsprachen kundige Mensch, der sich schon einmal mit Übersetzungen befasst hat, weiß, dass Übersetzungen in den seltensten Fällen 1:1 gelingen. Je nachdem ob der Übersetzer Muttersprachler ist oder nicht und ob er sich bei seiner Übersetzung eher an der Ausgangssprache oder an der Zielsprache orientiert, können Texte differieren. Wichtig ist, dass der Sinn wiedergegeben wird.

Bei der Übersetzung der Bibel vom hebräischen ins griechische wurde bei Jesaja der Begriff Alma (junge Frau) mit Jungfrau übersetzt. Dem Sinn nach und zu dieser Zeit konnte man dies wohl als richtig ansehen. Wäre jedoch Jungfrau gemeint gewesen, hätte im Ursprungstext Betula (Jungfrau) gestanden.

Matthäus zitiert in 1; 22 Jesaja 7;14 „Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben“, das heißt übersetzt: Gott mit uns.“

Zudem waren Jungfrauen-Geburten zu diesen Zeit noch in anderen Kontexten bezeugt: So soll Alexander der Große von einer Jungfrau geboren worden sein, ebenso wie die ägyptischen Pharaonen und die Kinder der Erzmütter Sarah, Lea und Rebecca.

Die Jungfrauengeburt sollte die Besonderheit der Person betonen. Primär geht es nicht um biologische Tatsachen sondern um die besondere Beziehung zu Gott.

Spannend auch die Herleitung ab welchem Zeitpunkt Jesus in den verschiedenen Evangelien und bei Paulus als Sohn Gottes betrachtet wird:

Paulus (geschrieben ca. 55 n Chr)

1;3 das Evangelium von seinem Sohn, der nach dem Fleisch aus dem Samen Davids stammt, 4 nach dem Geist der Heiligkeit aber eingesetzt ist als Sohn Gottes in Macht, seit der Auferstehung von den Toten

Markus (geschrieben ca. 70n Chr)

1;9 Und es begab sich zu der Zeit, dass Jesus aus Nazareth in Galiläa kam und ließ sich taufen von Johannes im Jordan. 10 Und alsbald, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass sich der Himmel auftat und der Geist wie eine Taube herabkam auf ihn. 11 Und da geschah eine Stimme vom Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.

Matthäus (geschrieben ca. 80 n Chr)

20 Als er das noch bedachte, siehe, da erschien ihm der Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist. 21 Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. 22 Das ist aber alles geschehen, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Jesaja 7,14): 23 »Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: Gott mit uns.

An dieser Stelle wies uns der Vortragende darauf hin, dass entgegen der Prophezeiung Jesus nicht der Name Immanuel gegeben wurde.

Johannes (geschrieben ca. 100 n Chr)

1;9 Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. 10 Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht; aber die Welt erkannte ihn nicht. 11 Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. 12 Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, 13 die nicht aus dem Blut noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind. 14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Bei Paulus wird Jesus also zum Sohn Gottes im Moment der Auferstehung, bei Markus in der Taufe, bei Matthäus bei der Zeugung und bei Johannes jenseits allen irdischen Daseins.

Die Jungfrauengeburt ist  laut unserem Vortragenden ein Bild, das geschaffen wurde etwas über die Theologie auszusagen und nicht über die Biologie. In Jesus handelt Gott selbst. Insofern ist die Jungfrauengeburt ein Mittel um diese besondere Beziehung zu Gott zum Ausdruck zu bringen.

Prof. Kraus endet seinen Vortrag damit, dass er bekennt dennoch kein Problem zu haben im Glaubensbekenntnis zu beten: geboren von der Jungfrau Maria.

Ich hoffe, ich habe den Vortrag sachlich richtig wiedergegeben. Ich fand diese Herangehensweise unglaublich spannend.

Das könnte Euch auch interessieren:

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. erstens ein kompliment für den mut, sich mit dieser frage überhaupt kritisch auseinanderzusetzen.
    zweitens eine erinnerung daran, mit welchen absichten religionen in ihren „gründungszeiten“ texte gleich welcher art veröffentlichten: spektakuläre begebenheiten – und was ist schon ungewöhnlicher als eine schwangere jungfrau – dienen in besonderem maße dem ziele, suchende zu begeistern.
    und drittens etwas „versöhnliches“: seit ich weiß, dass der jungfrauen-kult auch dazu eingang in das christentum gefunden hat, den ursprünglich auch matriarchalisch orientierten kelten einen leichteren zugang zum neuen glauben zu ermöglichen, hat die madonna für mich an charme gewonnen…

  2. Pingback: BSE, Radioaktivität und die neue Arbeitswelt « Bachmichels Haus

  3. Sechs Gleichungen mit neun Unbekannten:

    (001) Wer die Erklärung dieser Worte findet, wird den Tod nicht schmecken.

    (044) Jesus sagte: Wer den Vater lästern wird, dem wird man vergeben; wer den Sohn lästern wird, dem wird man vergeben; wer aber den heiligen Geist lästern wird, dem wird man nicht vergeben, weder auf der Erde noch im Himmel.

    (055) Jesus sagte: Wer nicht seinen Vater hasst und seine Mutter, wird mir nicht Jünger sein können. Und wer seine Brüder nicht hasst und seine Schwestern und nicht sein Kreuz trägt wie ich, wird meiner nicht würdig sein.

    (105) Jesus sagte: Wer den Vater und die Mutter kennen wird, er wird Sohn der Hure genannt werden.

    (106) Jesus sagte: Wenn ihr die zwei zu einem macht, werdet ihr Söhne des Menschen werden. Und wenn ihr sagt: „Berg, hebe dich hinweg!“, wird er verschwinden.

    (113) Seine Jünger sagten zu ihm: „Das Königreich, an welchem Tag wird es kommen?“ Jesus sagte: „Es wird nicht kommen, wenn man Ausschau nach ihm hält. Man wird nicht sagen: „Siehe hier oder siehe dort“, sondern das Königreich des Vaters ist ausgebreitet über die Erde, und die Menschen sehen es nicht.“ ***

    Sinnvolle Lösung:

    Mutter = Summe aller Ersparnisse
    Hure = Finanzkapital
    Brüder und Schwestern = Sachkapitalien
    Berg = Rentabilitätshürde
    Tod = Liquiditätsfalle
    Vater = Kreditangebot
    Sohn = Kreditnachfrage
    heiliger Geist = umlaufgesichertes Geld
    Königreich = Natürliche Wirtschaftsordnung

    Selbst wenn wir uns nur auf die obigen sechs Gleichnisse aus dem Thomas-Evangelium beschränken – existiert noch eine andere Möglichkeit, diese sinnvoll zu interpretieren? Und wie hoch ist die Restwahrscheinlichkeit für eine alternative Interpretation, wenn 10, 20, 50, 100 Gleichnisse auf die gleiche Art einen Sinn ergeben?

    Wenn wir diese eine sinnvolle Interpretation als richtig ansehen, war der Prophet Jesus von Nazareth das größte Genie aller Zeiten, und er entdeckte tatsächlich die einzig denkbare Möglichkeit, wie Menschen wirklich zivilisiert zusammenleben können: das Grundprinzip der absoluten Gerechtigkeit als Basis für die ideale Gesellschaft.

    Wäre Jesus dagegen nur der moralisierende Wanderprediger gewesen, zu dem ihn die „heilige katholische Kirche“ machte, wüssten wir heute nicht einmal, dass es jemals einen Propheten dieses Namens gegeben hat! Denn die „Moral“ ist eine irrelevante Größe: solange es möglich ist, einen unverdienten Knappheitsgewinn auf Kosten der Mehrarbeit anderer (Frucht vom Baum der Erkenntnis) zu erzielen, weil eine fehlerhafte Geld- und Bodenordnung die Gesellschaft zwangsläufig in Zinsgewinner und Zinsverlierer unterteilt, wäre selbst dann, wenn alle Menschen grundehrlich und auch noch hyperintelligent wären, der nächste Krieg – zwecks umfassender Sachkapitalzerstörung – unvermeidlich. Andererseits: sind – durch eine konstruktive Geldumlaufsicherung und ein allgemeines Bodennutzungsrecht – leistungslose Kapitaleinkommen eigendynamisch eliminiert, bedeutet es prinzipiell das Beste für alle, wenn jeder Einzelne nur das Beste für sich anstrebt. Der Moralbegriff löst sich auf.

    Der Krieg konnte nur solange der Vater aller Dinge sein, wie es noch keine Atomwaffen gab!

    *** „Die Wirtschaftsordnung, von der hier die Rede ist, kann nur insofern eine natürliche genannt werden, da sie der Natur des Menschen angepasst ist. Es handelt sich also nicht um eine Ordnung, die sich etwa von selbst, als Naturprodukt einstellt. Eine solche Ordnung gibt es überhaupt nicht, denn immer ist die Ordnung, die wir uns geben, eine Tat, und zwar eine bewusste und gewollte Tat.“

    Silvio Gesell, Herbst 1918, Vorwort zur 3. Auflage der NWO

  4. All diesen vielen verworrenen Theorien und Erklärungsversuche. Der Mensch kann einfach nichts so einfach annehmen. Für Gott, den Herrn der Schöpfung, der uns seinen Sohn geschickt hat (der u.a. durch unzählige Wunder für sich Zeugnis abgelegt hat), soll es nicht möglich sein, in einer Jungfrau heranzuwachsen und von ihr geboren zu werden?
    Es geht doch eigentlich um etwas ganz anderes: wenn Maria Jungfrau war und ist, dann stellt sich die Frage, warum Jesus eine Jungfrau zur Mutter erwählt hat. Und das ist ein heisses, unbehagliches Thema. Sollten Jungfräulichkeit, Reinheit, Unberührtheit, Keuschheit so wichtig sein? Dann müssen wir unser jetzige Lebensweise hier auf der Erde in Frage stellen, Umkehr wäre angesagt. Aber nein, lieber weiter im Schmutz waten und Unwahrheiten oder falsche Theorien über die Jungfrau Maria verbreiten. Es steht nicht gut mit der Menschheit und wer Kinder hat, der spürt das vielleicht noch viel mehr, wie schwierig es heutzutage ist, deren Unschuld und Reinheit zu bewahren, die wir doch grade so lieben an ihnen…
    Gruss von Abitene von
    http://wegwahrheitleben.wordpress.com/

Schreibe einen Kommentar