Das 19. Türchen: Warum wir die Hände falten beim beten

Gebet

Der folgende  Text wurde der Seite: Stadt Gottes entnommen. Autor: Pater Hans Peters SVD. Veröffentlicht 2009. Er  erscheint mit freundlicher Genehmigung der Steyler Missionare e.V., die meine Bitte um Veröffentlichung und Nutzung in meinem Blog sehr schnell und freundich beantwortet haben.

 

Warum wir die Hände falten beim beten

Woher kommen eigentlich die verschiedenen Gebetshaltungen wie das Beten mit ausgebreiteten Armen oder mit gefalteten Händen? Was bedeuten sie?

Die Haltung, mit ausgebreiteten Armen zu beten (auch Orante-Haltung genannt, vom lateinischen Ausdruck orare = beten) ist eine ursprünglich römische Gebetshaltung und war wohl gemeint als ein Berühren des Himmels durch das Gebet. Wir finden sie auf vielen Darstellungen in den Katakomben wieder. Das Gebet mit ausgebreiteten Armen wird stehend vollzogen und ist als solches die ursprüngliche christliche Gebetshaltung. Es will den Glauben an die Auferstehung zum Ausdruck bringen.Heute ist diese Gebetshaltung mehr oder weniger als priesterliche Gebetshaltung im Gottesdienst bei den ausdrücklichen Amtsgebeten des Priesters üblich.

Das Händefalten kommt aus dem germanischen Kulturraum und hat ursprünglich zu tun mit dem Lehenseid, den die Vasallen ihrem Herrn in die Hand versprachen: Die Hände wurden zusammengelegt und so in die Hände des Lehnsherrn gelegt als Zeichen der Treue und Abhängigkeit. Heute findet sich dieser Gestus noch in der Priesterweihe: Der Weihekandidat legt seine zusammengelegten Hände in die Hände des Bischofs und verspricht ihm Ehrfurcht und Gehorsam.

In der Volksfrömmigkeit wurden die zusammengelegten Hände zum bestimmenden Ausdruck des Betens, in der Kunst verewigt durch die vielfach und nicht immer glücklich reproduzierten „Betenden Hände“ von Dürer. Später wurde dieser Gebetsgestus dann noch vertieft durch die ineinandergreifenden Finger, die auch eine Art von Bindung, ja Fesselung zum Ausdruck bringen können.

Während die ausgebreiteten Hände im Stehen eher Ausdruck des dankbaren, zugleich aber auch selbstbewussten Gotteslobes sind, Anteil zu haben an der Auferstehung Christi, kommt in den gefalteten Händen eher das demütige Bekenntnis der Abhängigkeit von Gott zum Ausdruck. Da jeder Mensch eine Einheit von Körper und Seele ist, gehört der körperliche Ausdruck ganz wesentlich zum geistigen Vollzug des Betens hinzu. Auch wenn der geistige Vollzug nicht vom körperlichen Vollzug abhängig ist, so kann im leiblichen Ausdruck das Gebet den ganzen Menschen tiefer ergreifen, weil es im Gebet um den ganzen Menschen geht mit seinem ganzen Leib und seiner ganzen Seele. So kann eine erste und einfache Gebetshilfe sein, eine entsprechende Gebetshaltung einzunehmen und sich selbst in dieser Gebetshaltung zu erspüren, wahrzunehmen oder mehr auf die innere Gestimmtheit zu achten und für diese eine entsprechende Gebetshaltung zu suchen. In den verschiedenen Gebetshaltungen geht es darum, zu jenem Gebet zu finden, in dem ich mich selbst, mein Leben, am besten vor Gott zur Sprache bringen und so als ganzer Mensch Gott näher kommen kann.

 

 

 

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