Kaufen für die Müllhalde

Foto: Nicco / Quelle PHOTOCASE

Manchmal hört man von Dingen und muss sich selbst im Nachhinein fragen, wie naiv man eigentlich war. Genau das Gefühl hatte ich nämlich, nachdem ich den Beitrag von arte: Kaufen für die Müllhalde gesehen hatte.

Im Beitrag geht es um geplante Obsoleszenz, ein Wort, von dem ich zuvor noch nie gehört hatte. Gemeint ist, dass sehr vielen Produkten das Verfallsdatum quasi schon einprogrammiert ist. Drucker nach x Drucken, Glühbirnen nach y Stunden.

Eine Werbezeitung aus den USA bringt es 1928 auf den Punkt:

„Ein Artikel der nicht verschleißt ist eine Tragödie fürs Geschäft“.

Vollkommen unaufgeregt zeigt der Film die Entwicklung der geplanten Obsoleszenz über die Jahrzehnte. Vom Glühlampenkartell, das weltweit dafür sorgte, dass Glühlampen nach 1.000 Stunden garantiert den Geist aufgaben und Firmen Strafen zahlen mussten, wenn ihre Produkte länger hielten, über das Aufblühen der Automobilindustrie über jährlich wechselnde Modelle bis zu unserer heutigen Konsumgesellschaft.

Die Konsumenten wurden dazu erzogen alles

  • ein wenig neuer
  • ein wenig besser und
  • ein wenig früher zu wollen.

Während man in good old Europe noch stolz darauf war, Produkte zu erzeugen, die ein Leben lang hielten, predigte man in den USA, dass Freiheit und Glück nur über grenzenlosen Konsum zu erreichen ist.

Grenzenloses Wachstum ist das Credo unserer kapitalistischen Gesellschaft. Und wir alle verhalten uns so, als ob dies wirklich ewig so weiter gehen könnte. Gegen Schluss des Films wird sehr drastisch gezeigt, wer die Leidtragenden unseres hemmungslosen Konsums sind. Die Länder, in die wir unseren Müll verschiffen. Ghana z.B. in das unser Elektroschrott exportiert wird, als angeblich gebrauchte Elektronik, dabei sind 80% der Güter nicht mehr zu reparieren.

Wie sagt es Serge Latouche, französischer Ökonom und Philosoph, Professor a.D. der Universität Paris-XI so schön im Film:

„An grenzenloses Wachstum auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen glauben nur Verrückte und Ökonomen.“

Ein Ausweg aus diesem Dilemma? Unsere gesamte Gesellschaft scheint auf diesem Modell aufgebaut. Neben Gesetzen die vorschreiben würden, dass jedes Produkt mit seinem wirklichen Preis angeboten werden müsste, d.h. z.B. den Ressourcenverbrauch und die Umweltbelastung in den Produktpreis mit einzurechnen, kann nur verstärktes Bewusstsein bei jedem Einzelnen einen Weg aus diesem Wahnsinn aufzeigen. In dem wir uns fragen, ob ungezügelter und nicht hinterfragender Konsum wirklich das ist, was unser Leben lebenswert macht und ob wir es so schaffen, unseren Kindern eine lebenswerte Welt zu hinterlassen.

Aber noch hat die Industrie vor hehre Vorsätze den geplanten Verfall ihrer Produkte gesetzt. So lange ein neuer Drucker wesentlich billiger ist, als die Reparatur, sind die Hürden für das reine Gewissen nicht nur im Bewusstsein, sondern ganz schnöde im Geldbeutel des Verbrauchers zu finden.

Bitte schaut euch den einstündigen Film an, es lohnt sich. Entweder gleich hier im Blog oder auf arte am Dienstag 24. Januar 2012 um 20.15 Uhr 
oder am Donnerstag 26. Januar um 14.40 Uhr

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Interessante Links:

Personen die im Film zu Wort kamen:

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14 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Du sprichst mir aus der Seele, das Thema regt mich schon ewig auf!!! Es ist einfach fúrchtbar, wie unser „System“ mit Volldampf Richtung Wand fährt…

    Jetzt aber mal nur zum Drucker: es gibt sie tatsächlich, die „Langlebigen“!!! Hab‘ mir 2003 einen DinA3-Drucker für ein paar hundert Euro gegönnt – und siehe da: der druckt immer noch astrein, braucht nur neue Patronen und hatte noch NIE eine Reparatur nötig.
    Von den billigen A4-Druckern hätt ich in der Zeit bestimmt vier verbraucht! Und nebenbei ist es auch schön, mal A3 drucken zu können, wenn ich das auch nur selten brauche.

    An vielen Stellen kann man dem Trend entgegen handeln: teurere und GUTE Produkte kaufen, wenn möglich, viel gebraucht kaufen. Meine Klamotten hohl ich seit Jahren aus dem SecondHand – da ist auch die Auswahl größer, es gibt nicht nur die aktuell gehypte Mode.

    Und auf vieles kann man auch verlustfrei verzichten. Z.B, auf viele viele kleine Elektrogeräte….

  2. Ein kurzer Hinweis zum Thema Glühlampen.

    Das so genannte Phoebus-Kartell, das häufig zum Thema Glühlampen vorgebracht wurde, wurde laut Wikipedia 1941 aufgelöst. Eine andere Quelle hab ich auf die Schnelle nicht zur Hand.

    Grundsätzlich ist eine Glühlampe ja eine recht einfach verständliche technische Konstruktion: Ein Draht wird per Strom so lange erhitzt bis er anfängt zu glühen. Während der Draht glüht, lösen sich Bestandteile des Drahtes ab – er wird dünner. Irgendwann ist er so dünn, dass er reißt.

    Jetzt kann man dafür sorgen, dass die Lampe länger hält – indem man weniger Strom durchleitet. Dann kommt weniger Licht raus, aber die Lebensdauer steigt. Das wäre z.B. der Fall, wenn man eine 60W-Lampe mit nur einem Watt betreibt. Das Problem dabei ist, dass die Lampe dadurch weniger effizient wird. Und da die meisten Kosten des Lichts nicht durch die Lampe, sondern den Strom entstehen, wird ein solcher Betrieb mit weniger Watt unwirtschaftlich für den Kunden.

    Ein Rechenbeispiel mit vereinfachten Zahlen, das erklären soll, was ich meine. Wenn ich eine 100W-Lampe kaufe, verbraucht diese im Laufe ihrer 1000 Stunden Lebensdauer 100 kwH Strom (100W mal 1000 Stunden). Wenn der Strom 20 ct/kwH kostet, entspricht das 20 Euro Stromkosten über die Lebensdauer. Die Lampe kostet einen Euro. Insgesamt entstehen also Kosten von 21 Euro für 1000 Stunden Licht.

    Nehmen wir nun an, wir bauen die Lampe so, dass sie 2000 Stunden hält. Und nehmen wir an, dass sie dadurch 10% weniger effizient würde (sorry, habe zuhause keine genauen Zahlen zur Hand). Dann bräuchte sie 10% mehr Strom. 1000 Stunden Licht kosten dann 22 Euro + ein Euro Lampe = 23 Euro. Es würde sich also nicht lohnen.

    Nun gibt es sehr wohl Bemühungen, die Glühlampe zu optimieren. Das Ergebnis sind die Halogenlampen, die ja 2000 Stunden halten. Diese sind aber eben auch so konstruiert, dass sie sehr effizient sind – 30% weniger Stromverbrauch als klassische Glühlampen. Hier gilt aber letztlich das Gleiche: Auch diese Lampen könnten länger halten, wären dann aber weniger effizient.

    Und – man es muss das erwähnen – es gibt Energiesparlampen und LED-Lampen, die bei viel höherer Effizienz in Sachen Lebensdauer um ein Vielfaches besser liegen.

    Ich hoffe, das war halbwegs verständlich. Bei Bedarf liefere ich Infos nach.

  3. „Neben Gesetzen die vorschreiben würden, dass jedes Produkt mit seinem wirklichen Preis angeboten werden müsste“… was ist denn das für eine irre Idee? Wo kämen denn die Preise für das nicht-eingepreiste her? Offenbar gibt es ja erst mal keine, sonst wären sie ja eingepreist. Das führt direkt in den Versuch der Sowjetunion, Preise am Schreibtisch zu erfinden – und scheitert genau so grandios. Nein, ein umfangreiches Haftungsrecht braucht man, stattdessen haben wir ein manipuliertes Stromnetz.

  4. @Alexander, Martin und Carmen danke für eure weiterführenden Links, schau ich mir demnächst in Rhue an.

    @Claudia bei ein paar Produkten mache ich das auch schon sehr lange, Waschmaschine und Spüler immer nur von Miele, die alten mindestens eine Generation ohne nennenswerte Störungen. Sehr teuer in der Anschaffung aber ihr Geld wert, auch weil noch in D hergestellt. Werde in Zukunft aber noch stärker darauf achten. Und öfter mal fragen ob das Objekt der Begierde wirklich gebraucht wird.

    @Markus bin schon auf deine Meinung gespannt. Wie ich dich kenne dürfen wir von dir auch einen Blogpost erwarten

    @Christian vielen Dank für deine ausführlichen Erläuterungen. Sehr interessant. Natürlich verbrauchen sich Dinge, das steht ja gar nicht in Abrede. Aber dass Dinge vorsätzlich schlechter gemacht werden als sie sein könnten, das scheint doch tatsächlich so zu sein…

  5. Andrea: Das Schöne an der Marktwirtschaft ist ja, dass jeder die Möglichkeit hat ein besseres Produkt anzubieten – und der Markt dann entscheidet, ob es tatsächlich besser ist.

  6. @GG sorry ihr Kommentar war im Spam gelandet, daher erst die späte Freischaltung. Die „irre“ Idee ist nicht auf meinem Mist gewachsen sondern wird von Umweltschutzorgansiationen und Menschen die sich mit Nachhaltigkeit beschäftigen schon länger gefordert. Natürlich ist es ein riesiges Problem diese wirklich zu beziffern. Und ihre Brücke vom Haftungsrecht zum Stromnetz, sorry, aber diesen Gedankensprung verstehe ich nicht…. Noch eine Frage: habeb sie sich den Film überhaupt angesehen?

  7. @Andrea: Spätes Geständnis: hab den Film gleich nach Deinem Hinweis geschaut, für sehr gut befunden und diesen Artikel deshalb kräftigst beworben, aber nicht – wie Du oben im Kommentar vermutest – selbst drüber gebloggt. Hier steht alles, was man dazu sagen kann.

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