Man darf alles sagen, nur nicht zu jedem

Vor einiger Zeit bin ich über den Artikel: „How not to say the wrong thing“ von Susan Silk und Barry Goldman in der Los Angeles Times gestolpert.

Die Autoren beschreiben darin, wie bzw. wie man nicht mit Menschen kommunizieren sollte, die gerade eine Krise egal welcher Art durchleben, sei es gesundheitlich, finanziell, eine Beziehung betreffend oder sogar existentiell – die Grundregeln sind gleich. Susan hat sie die „Ring Theorie“ genannt.

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Ihr Ausgangsbeispiel führt sehr drastisch vor Augen worum es geht. Eine Frau, die an Brustkrebs erkrankt ist, lehnt es ab, Besuch von einer Kollegin zu empfangen. Sie fühlt sich einfach nicht danach. Und was sagt die Kollegin: Es geht hier nicht nur um dich.

Und da liegt der Hase im Pfeffer: Doch, in einer Krise geht es in erster Linie um die betroffene Person. Vielleicht noch um ihre nächsten Angehörigen, aber dann ist Schluss.

Wie man mit dem/der Betroffenen kommunizieren kann/soll, das soll ihre Ring Zeichnung erläutern (die ich etwas vereinfacht ins deutsche übertragen habe). In der Mitte steht immer der/die Betroffene, im nächsten Ring die nächsten Verwandten, dann die treuen Freunde, danach Kollegen und Bekannte. Natürlich kann der Ring im Einzelfall auch ganz anders aussehen, aber die Idee wird klar.

Die Person im Inneren des Kreises darf alles sagen, sie darf weinen, jammern, sich beklagen, ihr Schicksal verfluchen, was auch immer. Und das darf sie jedem gegenüber tun. Jammern, weinen und fluchen dürfen auch die anderen, aber immer nur gegenüber Menschen in ihrem eigenen Ring oder dem nächst größeren.

Denn wir wollen den Menschen in den engeren Kreisen ja helfen. Und Hilfe ist nicht dem anderen zu erzählen, wie fertig es uns macht von seiner Krebsdiagnose zu hören oder wie sehr wir unter seinem Schicksal leiden, oder dass wir nicht damit zurecht kommen, wie sehr der Betroffene durch die Krankheit gezeichnet ist. Auch nicht erwünscht sind ungefragte Ratschläge, was man selbst täte, wenn man in der Situation wäre oder über eigene Schicksalsschläge zu klagen.

Gefragt ist eher zuhören als selbst reden, da sein, Unterstützung anbieten.

Sicher sind die wenigsten von uns so unsensibel einem schwer erkrankten Menschen zu erzählen wie schlecht er aussieht. Aber denken wir auch immer daran, dass auch dem Ehepartner oder den Eltern gegenüber zu vermeiden?

Mir hat der Artikel sehr gut gefallen (am besten ihr lest ihn im Original) und ich finde das Bild mit den Ringen und die Botschaft dahinter sehr einprägsam und wahr.

 

 

 

 

 

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4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Sehe ich absolut genau so! Das Selbstmitleid und die Arroganz „des beleidigt seins“ anderer kann einem in einer Krise wirklich erspart bleiben. Das einzig positive, wenn man es denn in einer Krise positiv bezeichnen mag ist, dass es durchaus helfen kann die Personen innerhalb der Kreise mal neu zu ordnen.

    Lieben Gruß
    Werner

    • Das stimmt. In der Krise zeigen sich die wahren Freunde. Und ich kann sagen, dass ich in der glücklichen Lage bin, dass meine Familie wirklich im innersten Kreis steht.

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