Gedanken zur Bedeutung der Karwoche

Foto: Etelka Kovacs-Koller

Foto: Etelka Kovacs-Koller

Die Karwoche. Betrifft doch eh nur Katholiken und Protestanten, aber Otto Normalbürger und Lieschen Müller, was haben die mit dieser traurigen Woche zu tun, die in einer brutalen Hinrichtung mündet? Den Triumph des Osterfestes nimmt man ja gerne mit, über Anlässe zum fröhlichen Feiern muss man nicht nachdenken, das kennt man ja schon von Weihnachten. Aber dieser grausame Tag dazwischen, der Tag, an dem die Christen einem den schönen freien Tag mies machen wollen, in dem mal nicht exzessive Fröhlichkeit im Vordergrund steht*, sondern Innehalten?

Wenn euch der Tod von Jesus am Kreuz nichts bedeutet, wenn ihr die „Geschichte“ sogar abstrus findet und total ablehnt – wie wäre es, wenn ihr euch dem Ganzen als Metapher öffnet? Als Geschichte die von einem Menschen handelt, der Werte hatte, für sie einstand, mit einer Gruppe von Freunden sich um die Außenseiter der Gesellschaft kümmerte, daran aber scheiterte, von einem Freund verraten, von den anderen verlassen wurde.

 Der Kreuzestod und die Auferstehung als Metapher

Wenn man den Tod aber mal nicht als tatsächlichen Tod betrachten würde, sondern als Metapher sehen. Als Metapher für Menschen, die in ihre ganz persönliche Hölle abzustürzen. In einen Zustand, verlassen und verloren, alles um einen herum schwarz, keinerlei Hoffnung. Kompletter Rückzug, die Welt um einen herum hört auf zu existieren.

Und dann, wenn die Nacht am tiefsten ist, schafft man es. Den Durchbruch, den Zugang zu seiner Kraft, die Wiedergeburt als neuer Mensch, als einer der durch alle Tiefen gegangen ist, dem kein Schmerz mehr fremd ist, aber der sich daraus befreit hat, durchgeschritten ist. Der zurückfindet zu seinen Freunden, die ihn aber aufgrund der Wandlung, die er durchgemacht hat, gar nicht mehr erkennen.

Ist das nicht eine wunderbare Geschichte. Eine mutmachende? Eine Geschichte, die wirklich jeden von uns angeht, vor allem die, die körperlich oder seelisch krank sind, sich mit allen erdenklichen Ängsten und Schmerzen auseinandersetzten müssen und wieder gesunden, an Seele und Körper.

Und ist es nicht großartig, dass es eine Woche im Jahr gibt, in der man sich diesem Gedanken widmen kann? Über die Geschichte und was sie für einen selbst bedeutet reflektieren?

 

Eine Woche, in der man eben nicht dem Schmerz versucht auszuweichen, sondern sich ihm ganz bewusst stellt. Eine Woche in der nicht Ablenkung und Verdrängung im Vordergrund stehen, sondern das, was in unserer Gesellschaft der Schönen, Erfolgreichen und Glücklichen gar keinen Platz mehr hat: wie man sein Leben lebt, welche Werte es bestimmt und wie man mit Krisen umgeht.

Mir persönlich bedeutet die Karwoche, der Karfreitag und der Ostersonntag mehr als das Weihnachtsfest. Und vielleicht könnt ihr, ob gläubig oder nicht, mit meinen Gedanken dazu etwas anfangen.

Mehr denn je würde ich mich über euer Feedback freuen.

 

 * ich persönlich brauche kein Tanzverbot an Karfreitag und als junges Mädchen fand ich das total bescheuert. Aber ein Innehalten vom Lärm fände ich an diesem für so viele Menschen wichtigen Tag schon schön.

Das könnte Euch auch interessieren:

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Andrea – das ist ein wirklich bemerkenswerter Artikel und ich hoffe, dass es von vielen Menschen gelesen wird, die – aus welchen Gründen auch immer – ihren Kirchen den Rücken gekehrt haben. Man MUSS keiner Religionsgemeinschaft angehören; eigentlich ist es vollkommen ausreichend (in manchen Fällen sogar mehr), zu glauben und nach einem Sinn zu suchen.
    Ich möchte Deinen Artikel aber gerne noch um einen Aspekt erweitern, wenn ich darf: in der Karwoche sollten wir uns nicht nur mit dem Leiden und dessen Überwindung befassen, sondern auch mit unserer eigenen Grausamkeit. Denn es waren wir – also Menschen – die ihn gekreuzigt haben. Weil er anders war. Weil er fremd war. Weil er Fragen gestellt hat, die niemand hören wollte.
    Und das ist wiederum leider immer noch hochaktuell, nur die Mittel haben sich geändert.
    Herzliche Grüsse,
    Etelka

  2. Danke Andrea, fuer diesen Artikel, der mich – gerade in diesen Tagen – sehr anspricht. Ich habe heut früh einen Brief an einen trauernden kenianischen Freund geschrieben, und kopiere meine Gedanken einfach unten ein.
    Ein friedvolles Osterfest,
    Herzlichst, Klaus
    ————

    ‚There was the memory of dozens of people hacked to death by pangas (long knifes), in the railway station of Kunming, China, where I live. Last year February. There is the Al Shabab massacre, yesterday, killing so many innocent young people in Garissa, Kenya, beyond comprehension. And there is the in-sane German pilot (for whatever reason and sickness), who took so many people to dead. And Boko Haram, and US Drones in Afghanistan and Pakistan, and… Just a few events that struck my heart. Not to forget there are thousands of people, children, mothers men, dying every day in poorer countries of diseases of poverty which could be prevented or healed for a few dollars. None of the media taking notice anymore.

    And sometimes, when we cant hold up the blenders that keep us going, when we feel feel, that’s enough, cant take it anymore, we seeing mothers and father crying for their children, all of them including those who gave innocently birth to terrorists and killers.

    Not being a deeply religious man, but a believer in something that is bigger than agonies and atrocities. Where comprehension ends, where our minds fail to provide us with comforting understanding, there is only prayer. And where there is prayer, there is hope. So I pray, and just pray, and let us join in prayer, for the world to become a better place.

    Resurrection to me is a symbol and the celebration of hope. How could we live without hope and how could we hope without believing?‘

  3. Liebe Andrea,

    meine Erlebnisse in dieser Karwoche:

    seit einigen Jahren habe ich (und ein paar andere Engagierte) mit meinen Kindern und anderen Habacher Kindern die alte Tradition des „Kleppern“ in der Karwoche wieder aufleben lassen, die hier einige Jahre nicht stattgefunden hat.
    Die Kinder müssen mehrmals täglich bei Wind & Wetter (heute bei strömendem Regen und Kälte war es besonders anstrengend) durch´s Dorf laufen mit den Kleppern und ihre christlichen Sprüche rufen, weil die Glocken ja verstummt sind.
    Mir und den Kindern bedeutet es sehr viel. Und besonders heute bei dem ekligen Wetter war es für die Kids auch eine Riesen-Überwindung, weiter zu machen, obwohl alle schon keine Lust mehr hatten und es eiskalt und nass war. Aber gerade deshalb wollte ich weitermachen mit allen und habe ihnen immer wieder Mut gemacht, dass wir für eine gute Sache gehen und nachher das große Glück haben, alle im Warmen sitzen zu können.

    Die Kids von heute in unserer Gesellschaft sind alle viel zu verwöhnt und werfen viel zu schnell die „Flinte ins Korn“ statt hoffnungsvoll nach vorne zu blicken, dass man auch über sich selbst hinauswachsen kann, wenn man an sich glaubt und nicht immer sofort aufgibt….

    Ich habe sie alle zum Schluss sehr gelobt, weil sie ihre Sache echt toll gemacht haben und vom gesammelten Geld wird bald eine schöne Fahrt gemacht für alle Klepperkinder.

    Was uns traurig gemacht hat, sind Menschen, die den Kids die Türen nicht geöffnet haben, obwohl sie 2 Minuten vorher noch aus ihrer Tür heraus geschaut haben…. und einmal wurden wir sogar gebeten, mit dem Kleppern bitte aufzuhören, weil jmd schlafen wollte….

    Schade, dass die meisten Menschen mit der Karwoche und Ostern und den dazugehörigen Traditionen eigentlich gar nichts mehr anfangen können…

    Ich wünsche Dir und Deinen Lieben von Herzen FROHE OSTERN.
    Wir sehen uns wahrscheinlich wie immer morgen früh um 6 Uhr zur Auferstehungsmesse in Eppelborn :-)))
    LG Simone

Schreibe einen Kommentar