Rezension: Sprechen wir über Eulen und Diabetes

Ich liebe Bücher mit skurrilen Geschichten. Geschichten, die aus dem Rahmen fallen, überraschen, anders sind. Ein Buch dessen Titel: Sprechen wir über Eulen – und Diabetes versprach gute Unterhaltung:

Sein Stil wird mit dem Mark Twains verglichen. Sein Humor brachte ihm zahlreiche Preise, Grammy-Nominierungen und Nr.-1- Bestseller ein. Ob er seine Kindheit aufarbeitet – die Hölle eines amerikanischen Vorortes –, seiner Jugend nachspürt – der Versuch, der Hölle durch haarsträubende Jobs und persönlichkeitsverändernde Drogen zu entkommen – oder sich über sein Leben im englischen Wahlexil wundert: Sedaris’ Beobachtungen und Erinnerungen sind immer präzise, ernstlich überraschend und wahrhaft komisch.

 

Und ja, meine Einschätzung stimmte. Der Bestsellerautor David Sedaris ist ein absoluter Meister im Geschichtenerzählen. In den unterhaltsamen Kurzgeschichten in „Sprechen wir von Eulen und Diabetes“ bekommt jeder sein Fett weg, seien es die Menschen aus verschiedenen Nationen (Engländer, Deutsche, Japaner, Chinesen), die Eigenheiten von Berufsständen (Ärzte, Köche, Zollbeamte) und die Mitglieder seiner Familie. Und natürlich macht er auch vor sich selbst nicht halt. Das aber sind die Momente, in denen das Mitgefühl für den Autor bei mir größer war, als meine Interesse mich von einer guten Geschichte unterhalten zu lassen.

Klar ein Satz wie:

Wenn ich mich durch die Augen meiner Eltern betrachtete, sah ich einen Wurm, der durch Dreck und Unrat auf einen halluzinogenen Pilz zukroch….

ist hinreißend-phantasievoll geschrieben, aber als reale Einschätzung dann doch sehr melancholisch stimmend. Und diese Melancholie zieht sich durch etliche Geschichten.

Eingestreut sind immer wieder Geschichten, die er radikalen Menschen auf den Leib schreibt, religiösen Fanatikern, Rassisten und Narzissten, Geschichten die von Bösartigkeiten nur so triefen und die bis auf eine, als leider überspitzt aber glaubhaft durchgehen könnten.

Die Facetten der Geschichten reichen von langatmig über ironisch-sarkastisch bis hin zu tiefschwarz-ekelhaft.

Der Stoff aus dem all die Geschichten gewoben wurden, kommt aus dem Tagebuch, in dem David Sedaris seit 1979 tagtäglich Begebenheiten notiert und von dem heute schon klar ist, was nach seinem Tod damit geschehen soll: es solle erdbestattet werden. Ein würdiges Ende für ein Tagebuch, das nach seiner Einschätzung sein wahres Leben enthält:

Es entgeht mir nicht, dass ich mehr Zeit damit verbringe, über das Leben zu schreiben, als es selbst zu leben.

Die Eindrücklichkeit und die Vehemenz, mit der seine Geschichten geschrieben sind, strafen diesen Satz Lügen.

Sprechen wir über Eulen – und Diabetes

Heyne Verlag, 2013, 287 Seiten, ISBN-13: 978-3896675064

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